Literarische Ehrung für Ruth Klüger durch Siegener Friedenspädagogen

Literarische Ehrung für Ruth Klüger durch Siegener Friedenspädagogen
Als bekannt wurde, dass Ruth Klüger in der Gedenkstunde des Bundestages am 27. Januar 2016 anlässlich des Holocausttages eine Rede halten würde, horchten die Siegener Friedenspädagogen Wolfgang Popp und Bernhard Nolz auf. Hatten sie doch der KZ-Überlebenden Ruth Klüger zusammen mit 17 weiteren jüdischen Autorinnen und Autoren eine Art literarisches Denkmal in ihrem Buch „Leben im Zeichen von Verfolgung und Hoffnung“ gesetzt, das 2013 erschien.
Ruth Klüger, die 84-jährige US-amerikanische jüdische Germanistik-Professorin, überlebte als Kind die Konzentrationslager von Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt. Erst 1992 war sie in der Lage, ihre Kindheitserinnerungen an die KZ-Zeit in ihrem Buch „Weiter leben“ zu schildern. Beeindruckend ist auch ihr Kampf um eine neue Existenz in den USA als Überlebende, Wissenschaftlerin und Feministin.
In ihrer Rede im Bundestag widmet sich die Betagte vor allem der Erinnerung an ihre Zwangs- und Fronarbeit als 13-jährige im KZ Christianstadt. Damit eröffnet sie eine neue Perspektive auf diese Wirklichkeit der barbarischen Naziherrschaft: Ausführlicher als in ihrem Buch stellt sie die Frauenzwangsarbeit in die Nähe des Todes durch Versagen der Kräfte, durch Verhungern oder Erfrieren. Während männliche Zwangsarbeiter immer noch eine gewisse Hoffnung auf Zukunft haben konnten durch die Unentbehrlichkeit ihrer Fachkenntnisse, waren die meist ungelernten, auf Hausarbeit festgelegten Frauen „wertlos, die Ausbeuter konnten sich immer noch mehr beschaffen. Sie hatten ja so viel ‘Menschenmaterial’, wie sie es nannten, dass sie es wortwörtlich verbrennen konnten. Und erst recht die Frauen!“
Und Ruth Klüger erinnert sich: „Wenn die deutsche Zivilgesellschaft später beteuerte, sie hätte nichts über den Massenmord gewusst, so kann man darüber streiten, ob das stimmt, doch die massenhafte Ausbeutung durch Zwangsarbeit war sehr wohl bekannt.“
Ruth Klüger weiß um die vielfachen Erzählungen der Kinder der NS-Tätergeneration, in deren Familien und Betrieben solche fremdländischen Zwangsarbeiter tätig waren, an die sie sich sogar manchmal mit Zuneigung erinnerten.
„Die wohlmeinenden Erzähler wussten nicht, oder wollten nichts wissen, von der wachen Zurückhaltung, dem Misstrauen, der Verachtung oder dem Neid, der Über- oder Unterschätzung des Feindes, die in diesen unbezahlten Haushaltshilfen gesteckt haben muss“, sagt Ruth Klüger.
Auch Wolfgang Popp (80) erinnert sich an eine solche, von den Kindern geliebte Haushaltshilfe, ein zwangsverpflichtetes russisches Mädchen: „Sie wurde nach dem Krieg in einem von den Amerikanern aufgelassenen örtlichen Gefangenenlager von ihren eigenen Volksgenossen als „Verräterin“ erschlagen. Meine Mutter schwieg zu den Umständen ihrer Beschäftigung wie zu denen ihres Todes.“
Wer über das Leben und das literarische Werk von Ruth Klüger im zusammengefasster Form etwas lesen möchte, dem sei das Buch „Leben im Zeichen von Verfolgung und Hoffnung. Jüdische Autorinnen und Autoren in der neueren deutschen Literatur“ von Bernhard Nolz und Wolfgang Popp (Hrsg.) empfohlen. 2013 in Münster (LIT Verlag) erschienen, 302 Seiten, im Buchhandel erhältlich.
In dem Band wird auch der jüdische Autor Edgar Hilsenrath porträtiert, dessen bekanntester Roman „Der Nazi & der Frisör“ gerade in einer Bühnenfassung im FreienWerkstattTheater Köln gezeigt wird. Am Sonntag, 31. Januar 2016 um 15.00 Uhr stellt Bernhard Nolz den Autor Edgar Hilsenrath und seine Romane im Zentrum für Friedenskultur (ZFK), Kölner Str. 11, Siegen-Oberstadt vor. Der Eintritt ist frei.

Zehn Jahre Literaturcafé am Sonntag Nachmittag im ZFK

Zehn Jahre Literaturcafé am Sonntag Nachmittag im ZFK
Das Literaturcafé am Sonntag Nachmittag wird seit 10 Jahren im Zentrum für Friedenskultur (ZFK) durchgeführt. Das Jubiläumsthema fürs Jahr 2016 lautet: Kritiker der Gesellschaft – Literatur für Liebhaber.
Die Lesereihe beginnt am Sonntag, 31. Januar 2016 um 15.00 Uhr im ZFK, Kölner Str. 11, Siegener Oberstadt. Unter dem Motto „Solange ich rede, bin ich noch nicht tot“ stellt Bernhard Nolz den jüdischen Schriftsteller Edgar Hilsenrath (geb. 1926) vor.
Edgar Hilsenrath ist ein Satiriker. Die Satire lebt von der Übertreibung, sie verzerrt die Sachverhalte und deckt herrschende Widersprüche und Wertvorstellungen auf und gibt sie der Lächerlichkeit preis. Aber die Satire lässt auch immer – mehr oder weniger deutlich – den positiven Idealzustand durchscheinen, der erreicht werden möchte und an dem das Bestehende gemessen wird.
Edgar Hilsenrath war einer der ersten Autoren, die die Gräuel des Holocaust literarisch satirisch aufgearbeitet haben. Das hat ihm viel Kritik, aber auch Anerkennung eingebracht. U.a. wird sein satirischer Roman „Der Nazi & der Friseur vorgestellt. Edgar Hilsenrath schreibt gegen Menschenverachtung und Unterdrückung an und stellt in seinen Romanen das im Gegensatz zum Kapitalismus stehende jüdische Menschenbild zur Diskussion, wohl wissend, dass es sich um eine Vision handelt.
Im Literaturcafé wurden schon immer Autorinnen und Autoren vorgestellt, die sich mehr oder weniger kritisch mit ihrer jeweiligen Gesellschaft auseinandersetzten.
Aber im Jubiläumsjahr sind die ReferentInnen aufgefordert, einen Autor oder eine Autorin ihrer besonderen Wahl vorzustellen, deren/dessen Einstellungen sie sich selbst besonders verbunden fühlen. Damit kommt auch eine wichtige Funktion von Literatur zum Tragen: ihr Beitrag zur friedlichen Veränderung der Gesellschaft.
In diesem Sinne rechnen die Veranstalter Prof. Dr. Wolfgang Popp und Bernhard Nolz mit dem Interesse vieler Liebhaber/innen von gesellschaftskritischer Literatur und sind gespannt, wie KritikerInnen und LiebhaberInnen zusammenfinden.

COMEDY-SHOW: Lachen erlaubt! Sehenswertes für die Sinne

COMEDY-SHOW: Lachen erlaubt! Sehenswertes für die Sinne
Zu einem Theaterereignis der besonderen Art lädt das Dunkelcafé Siegen am 14. und 15. Januar 2016, jeweils 19.00 Uhr, ein: Eine Comedy-Show im Dunkeln mit dem Titel „Lachen erlaubt!
Die Theateraufführung ist im Rahmen des Inklusionsprojekts „Inklusive dir und mir“ in einer Kooperation vom Dunkelcafé Siegen, Gymnasium Stift Keppel sowie BewohnerInnen der AWO Wohnstätte Ginsterhang entstanden. Die Leitung hat die Theaterpädagogin Barbara Friedrich.
In diesem Jahr haben sich die Teilnehmer/innen dem Lachen verschrieben: Was ist lustig, auch wenn man nichts sieht? Wann sind wir in unserem Lachen vereint?
Die Teilnehmer erarbeiteten ein „noch nie gesehenes“ Comedy-Programm, in dem die Sinne nicht zu kurz kommen. Die Jugendlichen waren in ihrer Wahl, was sie für lustig befinden und was sie zeigen wollen, völlig frei. Dadurch ist die Comedy-Show „Sehenswertes für ihre Sinne“ zu einem bunt gemischten Programm zwischen Absurdität und Alltagsproblemen geworden. Die Grenzen zwischen beidem sind fließend.
14. Januar 2016 um 19.00 Uhr im Dunkelcafé Siegen, Kölner Straße 11, Siegen-Oberstadt
15. Januar 2016 um 19.00 Uhr im Dunkelcafé Siegen, Kölner Straße 11, Siegen-Oberstadt
Das Projekt „Inklusive dir und mir“ findet bereits zum zweiten Mal im Dunkelcafé statt und wird durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalens im Rahmen des Kinder- und Jugendförderplan 2015 gefördert.
www.dunkelcafe-siegen.de

Tornado-Kriegseinsätze in Syrien stoppen!

Tornado-Kriegseinsätze in Syrien stoppen!
Seit vergangenem Freitag sind deutsche Tornados im Kriegseinsatz in Syrien und in der Türkei. Die Forderung der Friedensbewegung nach einem sofortigen Stopp der deutschen Kriegsbeteiligung im Nahen Osten wird auch vom Siegener Zentrum für Friedenskultur (ZFK) unterstützt.
„Will die Bundesregierung mit den Angriffen noch mehr Flüchtlinge nach Europa treiben?“, fragt Friedenspreisträger Bernhard Nolz. „Statt das syrische Volk zu bombardieren, sollten deutsche Bundeswehr-Piloten tägliche Flüge mit Hilfsgütern und Medikamenten für die notleidende Zivilbevölkerung durchführen“, schlägt Nolz vor.
Auch der Forderung der Friedensbewegung nach einem sofortigen und endgültigen Stopp von deutschen Waffenlieferungen an die Staaten des Nahen und Mittleren Osten (z.B. Saudi-Arabien, Katar) schließt sich das Siegener ZFK an und unterstützt das Verlangen, den Frieden mit friedlichen Mitteln, d.h. mit Verhandlungen und gegenseitigen Hilfsmaßnahmen erreichen zu wollen.
Bernhard Nolz: „Als Friedenspädagoge geht es mir besonders um das Leid der Kinder im Krieg. Wie kann eine Bundesregierung vor der Not der Kinder und ihrer Familien in der gesamten Region die Augen verschließen, die notwendige Hilfe unterlassen und stattdessen Militäreinsätze fliegen, Waffen zum Kriegführen schicken und Embargos zum Verhungern organisieren?“