„Als die Atombomben Deutschland veränderten“ – Kommentar zum Film

 

Als die Atombomben Deutschland veränderten“

Kommentar zum Film

Am 19.03.2018 habe ich meinen Fernseher,, der sonst nur ein Mal im Monat für „Die Anstalt“ läuft, außer der Reihe angestellt, weil bei der ARD der Film über die Friedensbewegung „Als die Atombomben Deutschland veränderten“ gezeigt wurde.

Ich fand den Film ganz gut, aber dann doch etwas oberflächlich beim Versuch, die damalige Massenbeteiligung zu erklären, wobei die Bilder von den Menschenansammlungen auch wenig beeindruckend waren.

Das war aber kein Wunder, weil einzelne Friedensbewegte und kleine Friedensgruppen im Mittelpunkt des Films standen. Deren Motive kamen ebenso gut heraus wie die Glaubwürdigkeit ihrer Aktionen und ihre Begeisterung sowie die Erklärung für ihr Jahrzehnte langes Engagement bis heute. Starke Typen, fand ich, vielleicht mit Ausnahme von Roland Jahn.

Und genau auf der Strecke liegen die großen Schwächen des Films, nämlich in der Darstellung der politischen Ost-West-Zusammenhänge. Zur weiteren Begründung dieses Aspekts müsste ich mir den Film noch mal ansehen. Manche Aussage über die DDR und die Sowjetunion war propagandistisch gefärbt und dem „Westblick“ geschuldet.

Außerdem müsste über die Tragfähigkeit des Untertitels „Der verblüffende Erfolg der Friedensbewegung“ diskutiert werden.

Welche Impulse kann der Film unserer heutigen Friedensarbeit geben? Auf Einen will ich eingehen: Die Bewegung kam von unten, von Menschen, die sich betroffen fühlten oder die aufklären und die zerstörerischen Tatsachen benennen wollten, die Widerstand gegen die Aufrüstung leisten wollten, die sich in die Politik der Herrschenden einmischen wollten durch ihre gewaltfreien Aktionen, und die, das erscheint mir besonders wichtig, ihre Forderungen nach Frieden in ihre gesellschaftlichen Lebens- und Arbeitsbereiche hineintrugen und in die Parteien, Gewerkschaften, Kirchen u.a.

Ein allgemeiner gesellschaftlicher Aufbruch, der vor allem auch deshalb fruchtete, weil jede/r Einzelne – zumindest unbewusst – herbei gesehnt hat, dass mit der beiderseitigen Abrüstung eine Chance bestehen könnte, dass Ost und West auch ihre Feindbilder abbauen würden und sie sich gemeinsam auf die Rettung des Planeten und die Sicherung des Weltfriedens konzentrieren könnten.

Da wurden wir – und werden es auch heute wieder – von den Herrschenden eines „Besseren“ belehrt.

Bernhard Nolz

 

Friedenspreis an die Zeitschrift „Wissenschaft und Frieden“

 

Friedenspreis an Friedenszeitschrift

Große Freude bei den Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) in Siegen. Die friedenswissenschaftliche Zeitschrift „Wissenschaft und Frieden“ (W&F), zur deren Herausgebern PPF gehören, wird am 10. März mit dem Göttinger Friedenspreis geehrt. Die bundesweite Friedensorganisation PPF hat ihren Sitz in Siegen. Bernhard Nolz, Aachener Friedenspreisträger, ist Bundessprecher von PPF.

Bernhard Nolz: „Was die ganze Sache noch schöner macht, ist die Tatsache, dass es in diesem Jahr einen zweiten Göttinger Friedenspreisträger gibt. Es ist der Liedermacher Konstantin Wecker. Die Impulse für die praktische Friedensarbeit, die von Künstler*innen und Wissenschaftler*innen für den Frieden ausgegangen sind, sind enorm. Im Siegener Zentrum für Friedenskultur fließen die drei Bereiche Friedensarbeit, Friedenswissenschaft und Friedenskultur seit 20 Jahren zusammen. Genauso lange habe ich als Vorstandsmitglied die Zeitschrift W&F mitgestaltet.“

Wissenschaft und Frieden (W&F) ist die einzige friedenswissenschaftliche Zeitschrift Europas. Die enge Zusammenarbeit mit der Universität Siegen hatte sich daraus ergeben, dass der 2017 verstorbene Prof. Dr. Wolfgang Popp in den 1980-er Jahren an der Universität Siegen das Forschungs- und Lehrgebiet Friedenserziehung gegründet hatte und zu den Mitbegründern der Pädagog*innen für den Frieden gehörte. Zusammen mit Bernhard Nolz hat er darüber hinaus die friedenspädagogische Zeitschrift „et cetera ppf“ sowie die Buchreihe „Friedenskultur in Europa“ heraus gegeben, wodurch Siegen zu einem Zentrum der deutschen und europäischen Friedensbewegung geworden ist. Die ebenfalls in den 1980-er Jahren von Wolfgang Popp u.a. gegründete Gesellschaft für Friedenserziehung e.V. Siegen ist bis heute auf den Gebieten Inklusion, Jugendarbeit, Behindertenarbeit, Interkulturelle Arbeit, Friedenskultur und Gemeinwesenarbeit aktiv und national und international anerkannt.

Es erscheint nicht übertrieben, wenn man feststellt, dass zu den „Hidden Champions“ aus Südwestfalen, über die die IHK Siegen berichtet hat, auch die o.a. Siegener Friedensorganisationen gerechnet werden können, nicht zuletzt das Dunkelcafé Siegen, das – in der Trägerschaft der Gesellschaft für Friedenserziehung – als außerschulischer Lernort vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe ausgezeichnet worden ist.

Es bleibt zu hoffen, dass sich genügend Unterstützer*innen für die Arbeit für Menschen mit Behinderung, für Frieden und Gerechtigkeit finden (dunkelcafe-siegen.de/unterstuetzung).

 

Ostermärsche – Ruf nach Frieden

 

Ostermärsche – Ruf nach Frieden

Wie in jedem Jahr zu Ostern geht auch dieses Mal ein Ruf nach Frieden vom Siegener Zentrum für Friedenskultur gemeinsam mit den Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden Deutschland aus.

Dazu erklärt Bernhard Nolz, Bundessprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden und Aachener Friedenspreisträger:

In diesem Jahr erschallt unser Ruf nach Frieden noch lauter als sonst. Warum? Noch ist die neue Bundesregierung nicht im Amt. Aber schon verkünden die beiden CDU-Regierungsfrauen Angela Merkel und Ursula von der Leyen ihre uneingeschränkte Kriegsbegeisterung: Mehr Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan! Mehr Kriegsbeteiligung in Syrien! Noch mehr deutsche Waffen in Kriegsgebiete! Und überhaupt: Viele Milliarden Euro mehr für Aufrüstung und Kriegseinsätze! Wir lehnen eine deutsche Kriegsbeteiligung grundsätzlich ab und fordern die neue Bundesregierung auf, die Kriegsmilliarden stattdessen für die Bekämpfung von Armut, für höhere Renten und für den kostenlosen Bahn- und Busverkehr auszugeben.“

Die Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden haben einen passenden Flyer von der Siegener Designerin Petra Kölsch entwickeln lassen: „Keinen Euro mehr für die Bundeswehr! Mach, was wirklich zählt: Alles Geld für die Kinder der Welt.“ (s. Anhang)

Noch einmal der Friedenspädagoge Bernhard Nolz:

Die Kriege zerstören weltweit die Lebenschancen und Zukunftshoffnungen vor allem der jungen Menschen. Es muss Schluss sein mit diesem Zerstörungswahn! Nur im Frieden können die Menschenrechte gedeihen und können sich die Menschen als soziale Wesen entwickeln. Deshalb protestieren wir zu Ostern gegen die Kriegspolitik von CDU/CSU/SPD.“

Traditionsgemäß unterstützen die AG Siegerländer Friedensbewegung, das Siegener Zentrum für Friedenskultur und die Pädagog*innen für den Frieden seit Jahrzehnten den Ostermarsch Rhein-Ruhr (www.ostermarsch-ruhr.de). Auch in diesem Jahr wird eine Delegation aus Siegen in Dortmund zur Abschlusskundgebung vertreten sein.

Der Ruf nach Frieden wird immer lauter, auch wenn die alte, die amtierende und die neue Bundesregierung aus CDU/CSU/SPD ihn nicht hören wollen.

Weitere Informationen zur Friedensarbeit im Siegerland unter www.friedenspaedagogen.de