Tag der Arbeit – Wider die Kriege von Politik und Kapital von Bernhard Nolz

 

Bernhard Nolz

Tag der Arbeit – Wider die Kriege von Politik und Kapital

Die Völkerrechts-widrigen Kriegseinsätze der Armeen der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen Syrien haben den Arbeitnehmer*innen drastisch vor Augen geführt, wie notwendig es ist, am 1. Mai, dem Tag der Arbeiterbewegung, erneut die Forderung nach Frieden und Gerechtigkeit zu erheben. Diese Forderung richtet sich auch an die Bundesregierung (CDU/CSU/SPD), die die Militärangriffe nicht nur begrüßt, sondern auch tatkräftig unterstützt hat. Am 1. Mai kann Kanzlerin Merkel erklären, dass sie zu einer Völkerrechts-konformen Politik zurückkehren wird.

Die internationale Arbeiterbewegung ist seit ihrer Gründung vom Kampf für soziale Gerechtigkeit und Frieden geprägt. Frieden und Gerechtigkeit können sich nur ausbreiten, wenn die Solidarität der Völker die Staaten veranlassen kann, kooperativ zusammen zu arbeiten. Die Missachtung des internationalen Völkerrechts durch die Bundesregierung und andere Regierungen ist zugleich eine Missachtung des Verlangens der Arbeitnehmer*innen nach einem friedlichen Zusammenleben, ohne Krieg, ohne Ausbeutung und Unterdrückung und ohne die zerstörerische Gewalt der Konkurrenz des Marktes, die auch Globalisierung genannt wird.

Der Tag der Arbeit 2018 ist Anlass für mich, mich an meine erste 1. Mai-Demo vor 44 Jahren zu erinnern. Als junger Lehrer hatte ich 5 Jahre zuvor meine erste Stelle in einer schleswig-holsteinischen Kleinstadt zwischen Bad Segeberg und Neumünster, das aktuell wegen der Inhaftierung von Carles Puigdemont eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, angetreten.

Ich war stark von Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ geprägt und deshalb war es für mich selbstverständlich, in die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einzutreten. Den letzten Anstoß dazu erhielt ich von meinem Schulleiter, einem aufrechten CDU-Mann, dem als 18-Jähriger im letzten Kriegsjahr ein Bein weg geschossen worden war. „Lassen Sie uns gemeinsam [ich war der SPD beigetreten] in der GEW für die Zukunft unserer Kinder und für den Frieden kämpfen“, hatte er zu mir gesagt. Und so kam es, dass ich zum ersten Mal an einer Demonstration zum 1. Mai teilnahm, die für unseren Bezirk in Neumünster stattfand. An das erste Mal erinnere ich mich deshalb so gut, weil mir beim Tragen eines Spruchbandes fast die Finger abgefroren wären, denn es gab heftige Regen- und Graupelschauer. Seitdem war der norddeutsche Winter für mich immer erst am 2. Mai zu Ende.

Natürlich war der 1. Mai auch Unterrichtsthema. Die Schüler*innen lernten das Mysterium des „arbeitsfreien Tages der Arbeit“ dialektisch zu durchschauen, indem ich sie mit der Geschichte der Arbeiterbewegung vertraut machte. Dann verstanden sie auch, warum in Teilen der deutschen Öffentlichkeit gerne verschwiegen wurde, dass der arbeitsfreie 1. Mai in Deutschland vom Führer 1933 eingeführt worden war, um die Arbeiter auf die Seite des Nazi-Regimes zu ziehen und den Widerstand gegen die Zerschlagung der Gewerkschaften zu brechen.

Auch über die andere „gute Tat“ des Führers, den Bau der Autobahnen, wurde zum 1. Mai in der Schule gesprochen. Über das faschistische Erbe der deutschen Autobahnen ist es lange Zeit ruhig geblieben. Doch in diesem Jahr hat Kriegsministerin von der Leyen die Nazi-Kriegspläne wieder hervor geholt und allen NATO-Panzern auf den Autobahnen eine baldige freie Fahrt nach Russland versprochen.

Die Arbeitnehmer*innen werden am 1. Mai ihre Kritik daran vorbringen. Zum Einen wehren sie sich gegen die Autobahn-Maut, mit der sie die aus ihren Steuergeldern gebauten Autobahnen nun ein zweites Mal bezahlen sollen. Zudem soll aus Steuern und Maut auch der Ausbau zu Panzer-Bahnen finanziert werden, obwohl die Arbeitnehmer*innen einen Krieg gegen Russland ablehnen. Außerdem wollen die Arbeitnehmer*innen nicht, dass das von ihnen erwirtschaftete Volksvermögen, in diesem Fall das deutsche Autobahnnetz, an räuberische Privatfirmen verscherbelt wird. Genauso wie sie es leid sind, auf deutschen Autobahn-Raststätten und Tankstellen für ihre Notdurft auch noch bezahlen zu müssen.

So ist der Tag der Arbeiterbewegung 2018 ein geeigneter Anlass, sich in den Schulen und in den Familien mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen auseinander zu setzen und nicht nur fröhlich in den Mai zu tanzen oder zu rappen.

Der Text erschien zuerst bei labournet.de.

http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/04/nolz010518.pdf

Bernhard Nolz ist Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Aachener Friedenspreisträger, Zivilcourage-Preisträger, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Siegener Zentrums für Friedenskultur (ZFK).