Alle Beiträge von Bernhard Nolz

Aachener Friedenspreisträger, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Träger des Preises für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung, Geschäftsfüher des Zentrums für Friedenkultur (ZFK) Siegen

Kein Panzerspaß für Kinder

Die mangelnde Finanzausstattung der deutschen Kliniken, wovon auch die DRK-Kinderklinik Siegen betroffen ist, ist ein politischer Skandal.

Für einen ganz anderen Skandal sorgen jetzt die Reservisten der Bundeswehr:

Sie wollen in umgebauten Panzern mit Kindern lustvoll durch ein Naturschutzgebiet „donnern“. Dafür wollen sie von den Eltern Spenden einsammeln, die der DRK-Kinderklinik zugute kommen sollen.

Mit dem öffentlichen Auftrag, Kinder zum Frieden und zur Achtung der Natur zu erziehen, hat das Ganze nichts zu tun.

Es ist geschmacklos, Kinder für dieselben Panzer und Kriegsgeräte zu begeistern, mit denen in Kriegsgebieten Kinder zu Krüppeln oder tot geschossen werden.

Es muss verhindert werden, dass unsere Kinder sich durch fröhliche Panzerfahrten an den Krieg gewöhnen.

Die Reservisten nennen ihre Panzeraktion „Reservisten helfen Menschen“. Damit lässt sich aber nicht verdecken, dass mit Hilfe deutscher Waffen und Soldaten Kriegsgebiete verwüstet und Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, die als Flüchtlinge Aufnahme und Unterstützung in Deutschland suchen.

Wir fordern die Reservisten auf, Panzerfahrten für Kinder zu unterlassen.

Wir fordern die DRK-Kinderklinik auf, sich nicht auf Spenden einzulassen, die durch militärischen Missbrauch von Kindern gewonnen werden.

Wir fordern die Menschen im Siegerland auf, an den Veranstaltungen der Reservisten nicht teilzunehmen.

Kein Panzerspaß für Kinder!

Organisationen und Einzelpersonen werden gebeten, die Forderungen bis zum 15. September 2015 zu unterzeichnen.

 

Deutsch-russische Völkerverständigung

Mit einer Fülle von Eindrücken ist Bernhard Nolz, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), aus Russland nach Siegen zurückgekehrt.
Bernhard Nolz: „Ich habe an der Universität von Welikij Nowgorod, einer russischen Großstadt 180 km südöstlich von St. Petersburg, einen Vortrag zur Friedensbewegung und zur Friedenserziehung gehalten und am dortigen Deutsch-Russischen Forum „Brücken bauen“ teilgenommen.“
Am beeindruckendsten fand der Friedenspädagoge die Gespräche mit Studentinnen und Studenten der Universität Nowgorod sowie die studentischen Beiträge in den Workshops des Forums. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die russische Jugend ist friedensliebend, weltoffen und wissbegierig. Die Nowgoroder Studenten setzen große Hoffnungen in einen freien Wissens- und Gedankenaustausch und in freundschaftliche Begegnungen mit Studierenden und Lehrenden aus den EU-Ländern. Sie haben ein großes Interesse an anderen europäischen Sprachen und an den vielfältigen Kulturen des europäischen Kontinents, zu dem sie Russland wie selbstverständlich dazu rechnen.
Bernhard Nolz: „Die deutsche Politik steht meines Erachtens in der Verantwortung, alles daran zu setzen, dass keine neuen und alten Feindbilder gepflegt werden und die Jugend Europas in Frieden und Freundschaft zusammenleben kann. Die vielen Initiativen in Siegen-Wittgenstein zur Völkerverständigung sind richtungsweisend für eine Arbeit am Frieden in der Welt.“

Zur Aktualität der Friedensbewegung und der Friedenserziehung in Deutschland

Bernhard Nolz
Zur Aktualität der Friedensbewegung und der Friedenserziehung in Deutschland
Vortrag beim Deutsch-Russischen Forum der Universität Nowgorod (09.05.2015)

Ich freue mich, dass ich am Deutsch-Russischen Forum teilnehmen und ein Referat zur Aktualität der Friedensbewegung und der Friedenserziehung in Deutschland halten kann. Die Metapher vom „Brückenbau“, das Motto der Konferenz, hat mich sehr angesprochen, weil alle Arbeit am Frieden zum Ziel hat Trennendes zu überwinden.
Über die aktuelle Lage der Friedensbewegung zu sprechen bedeutet auch, sich an das Erreichte und Nicht-Erreichte zu erinnern. Eines der Fundamente der Friedensarbeit bzw. der Friedenserziehung ist die Erinnerungsarbeit. Wie nötig sie ist, zeigen die aktuellen Umdeutungsversuche zur Geschichte der beiden Weltkriege durch deutsche Historiker und Politikerinnen, die der massenmedialen Unterstützung sicher sein können.
Die Kooperation für den Frieden, der größte Dachverband der deutschen Friedensbewegung mit über 60 Mitgliedsorganisationen, eine davon sind die Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), hat ihre Strategiekonferenz des Jahres 2014 der Erinnerungsarbeit gewidmet. Der Titel lautete: 1914 – 2014: 100 Jahre Krieg – 100 Jahre Pazifismus und Friedensbewegung. Die PPF-Themen dort waren: Historische und aktuelle Kriegsideologien und Kriegsbegründungen sowie die Sprache der Kriegsbefürwortung.
Bilaterale und multilaterale Friedenskonferenzen haben für die Organisationen der Friedensbewegung immer eine wichtige Rolle gespielt. Mit dieser Form des friedlichen Austauschs und der Begegnung sieht sie sich zum Einen in der Tradition von Bertha von Suttner. Zum Anderen bieten Friedenskonferenzen die Möglichkeit zum solidarischen Handeln, die Vielfalt der Friedensarbeit einer Öffentlichkeit zu präsentieren und der Forderung nach Frieden gegenüber der Politik Nachdruck zu verleihen.
Z.B. auf dem jährlichen Kasseler Friedensratschlag, dessen Grundsätze lauten: „Wir führen unseren Kampf gegen alte und neue Kriege, für Abrüstung und Völkerverständigung. „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“ ist für uns die Schlussfolgerung aus dem Zweiten Weltkrieg, der wir uns verpflichtet fühlen.“
Im Bereich der Friedenserziehung wurde Anfang der 1980-er Jahre die „International Association Educators for Peace“ (IAEP) gegründet. Von da an traf man sich für rund 20 Jahre – im Zwei-Jahres-Rhythmus – auf internationalen Friedenspädagogen-Kongressen.
Ähnliche Entwicklungen wie bei den Friedenspädagogen haben auch die anderen berufsbezogenen Friedensinitiativen, die in den 1980-er Jahren entstanden waren, zu verzeichnen. Sie sind bis heute in Deutschland eine treibende Kraft in der Friedensbewegung geblieben: Zu nennen sind Gewerkschafter, Informatiker, Juristen, Kunstwissenschaftler und Künstler, Literaturwissenschaftler, Naturwissenschaftler, Pastoren, Polizisten, Psychologen, Soldaten, Sozialpädagogen und Sportler.
Die berufsbezogenen Friedensinitiativen haben von Anfang an integrativ gearbeitet und nicht zwischen Theorie und Praxis der Friedensarbeit unterschieden. Das war Vielen in Wissenschaft und Politik ein Dorn im Auge, so dass die in den 1980-er und 1990-er Jahren gegründeten Friedensforschungseinrichtungen nach und nach abgewickelt wurden.
Mit einem neuen Ansatz gehen jetzt Studenten, Professoren, Gewerkschafter, Friedensbewegte und der „Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ (BdWi) gemeinsam in Sachen Frieden voran. Die Rede ist von der Zivilklausel-Bewegung an den deutschen Hochschulen.
In einer Broschüre wird dazu festgestellt: „Zivilklauseln bedeuten nicht nur Verhinderung, sondern auch Ermöglichung, und zwar im Sinne einer Art Selbstverpflichtung der Hochschulen, an humanen und zivilen Lösungen regionaler wie internationaler Krisen und Konflikte forschungsstrategisch mitzuwirken.“
Außerdem wird betont, dass die Freiheit der Wissenschaft und Forschung nur in der Einheit mit der Würde des Menschen und dem Ziel eines friedlichen Miteinanders zu denken ist. Die Freiheit der Wissenschaft könne niemals Freiheit zu Krieg und Unmenschlichkeit bedeuten.
Mittlerweile gibt es an 20 deutschen Hochschulen Zivilklauseln und an über 30 Hochschulen entsprechende Initiativen.
In der Zusammenarbeit der Friedensbewegung mit anderen sozialen Bewegungen bestehen aber durchaus akute Defizite, konstatiert Andreas Buro, friedenspolitischer Sprecher vom Komitee für Grundrechte und Demokratie: „Soziale Fragen, Klimaauswirkungen, wirtschaftliche Strukturen, Gender-, Militär-, Flüchtlings- und Friedensprobleme verzahnen sich immer mehr und bedürfen abgestimmter Vorgehensweisen zur Bewältigung konkreter Querschnittsaufgaben.“
Nicht so kompliziert soll es nach dem Willen der Länder-SchulministerInnen bei der politischen Bildung in den Schulen zugehen. Deshalb wurden für die Bundeswehr privilegierte Zugangsrechte zum Unterricht und zur Lehrerfortbildung geschaffen. Handstreichartig schloss zuerst die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine entsprechende Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr. Sieben weitere Bundesländer folgten, in den anderen wird ohne Vereinbarung ähnlich verfahren.
Das rief den Widerstand der Friedensbewegung hervor, denn in allen Schulgesetzen ist der Vorrang der Erziehung zum Frieden als verbindlich verankert. Angeführt von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) wurden landesweite Protestbündnisse gegründet, die Namen tragen wie „Schule ohne Bundeswehr“, „Schulfrei für die Bundeswehr“ oder „Bundeswehr wegtreten!“
Die Schulministerien ließen sich durch die Proteste von der Missachtung des Schulgesetzes nur scheinbar abbringen. Vielmehr verordneten sie die Ausgewogenheit des Unterrichts, indem jeder Auftritt eines Bundeswehr-Offiziers in der Schule von einem Vertreter der Friedensbewegung begleitet sein müsse. Nach unserer Ansicht kann es eine Ausgewogenheit in der Friedenserziehung nicht geben. Man kann nicht für den Frieden und für den Krieg erziehen. So gesehen ist es ein politischer Skandal, dass die militärische Nachwuchswerbung Vorrang vor dem friedenspädagogischen Auftrag der Schule erhalten soll.
Problematisch gestaltet sich die antifaschistische Aufklärungs- und Bildungsarbeit. Für die Friedensbewegung kommt es nicht nur darauf an, Handlungsmöglichkeiten gegen neofaschistische Gruppierungen zu entwickeln. Neuere Umfragen belegen nämlich, dass fremden- und demokratiefeindliche Einstellungen bei einem guten Drittel der Bevölkerung anzutreffen sind. Es muss sich also etwas ändern. Gedenkstättenfahrten und interkulturelle Wochen reichen allein nicht aus. Vielmehr ist die umfassende Vermittlung von Friedenskompetenzen gefragt, z.B. Zivilcourage, Empathie oder die Fähigkeit, Andere in ihrer Unterschiedlichkeit Wert zu schätzen. Entscheidend ist auch, dass die Demokratie positiv erlebt werden kann. Und damit hat die Bundesrepublik Deutschland ein Problem. Die seit Jahrzehnten betriebene Demontage des Sozialstaats und der Aufbau eines autoritären Sicherheitsstaates haben die Menschen zutiefst verunsichert und für rechte Parolen zugänglich gemacht. Mit kreativen Formen von Solidarität und Partizipation von unten müssen neue Anfänge gefunden werden, um den sozialen Frieden wiederzufinden.
Angesichts der ungeheuerlichen Praktiken der drei deutschen Geheimdienste Bundesnachrichtendienst (BND), Verfassungsschutz (VS) und Militärischer Abschirmdienst (MAD) in Komplizenschaft mit dem US-Auslandsgeheimdienst NSA fehlten auch der deutschen Friedensbewegung die Worte, wenn die Internationale Liga für Menschenrechte nicht wäre. Nicht nur empört, dass die Geheimdienste Bürger, Bürgergruppen und Firmen gesetzwidrig und mit Wissen der Regierungen ausgespäht haben. Genauso unfassbar ist es, dass von staatlichen Diensten neofaschistische Terrorgruppen aufgebaut und zu Mordtaten an Migranten angestiftet wurden. Dazu gehören auch die Querverbindungen zwischen Neofaschisten, Geheimdiensten und Polizei-Verantwortlichen. Die Friedensbewegung fordert die Abschaffung der Geheimdienste und das Ende der deutschen Beteiligung am „Krieg gegen den Terror“ der USA.
Dazu trägt „cyberpeace“, eine Kampagne des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung, bei. „Cyberpeace ist der Gegenentwurf zur militärischen Kolonalisierung des Cyberspace. Es gilt, die einstmals viel beschworene Rolle der globalen Netze für Friedensstiftung und Völkerverständigung wiederzubeleben.“
Deshalb lehnen die Deutschen den kriegerischen Völkerrechts- und Menschenrechts-Nihilismus ab, den die USA und die anderen NATO-Staaten seit dem vermeintlichen Sieg des Kapitalismus noch exzessiver praktizieren als vorher. Die Friedensbewegung wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass die UN-Charta unmissverständlich verlangt: „Alle Mitglieder legen ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel so bei, dass der Weltfriede, die internationale Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden.“
In einem Positionspapier der Kooperation für den Frieden zu Russland und zur Ukraine-Krise findet sich eine interessante Passage:
„Die Übereinstimmung von Äußerungen russischer Politiker mit Positionen aus der Friedensbewegung ergibt sich aus einer sich überlappenden Identität von Interessen“.
Beide setzen sich ein für die Konfliktbearbeitung durch die Vereinten Nationen (UN) und für die Stärkung von OSZE-Prozessen. Beide stehen in Gegnerschaft zur NATO und fordern eine Politik der Entspannung und Abrüstung. Sie lehnen Wirtschaftssanktionen ab und sprechen sich für kooperative Formen in der Außenpolitik aus.
Diese Übereinstimmungen ähneln den Friedensvorschlägen, die zum Ende des Ost-West-Konflikts und des „Kalten Krieges“ beitrugen.
Der Teufelskreis der Gewalt kann aber nur durchbrochen werden, wenn die USA und die EU ebenso die Kraft zur Versöhnung und zum Dialog finden wie zuvor Russland. Außerdem muss die enorme Ungleichheit in der Welt durch ein friedliches, kooperatives Wirtschaftssystem überwunden werden. Die Unterstützung autokratischer Regime und die Waffenlieferungen müssen aufhören.
In den 1980-er Jahren waren die Regierungen für viele Friedensbewegte zu schwerfällig und politisch-ideologisch zu einseitig fixiert. Deshalb wollten sie selbst den Frieden in die Hand nehmen. Sie handelten nach dem Motto: Frieden ist zu wichtig, als dass man ihn den Staaten überlassen sollte. Friedensfördernde Umstände ließen die Friedensbewegung zu einer Massenbewegung werden:
Bei den Menschen überwog die Zustimmung zum Frieden.
Es gab nur ein Thema: Abrüstung und Entspannung.
Parteien (FDP, GRÜNE, SPD) trugen die Friedensforderung in die Parlamente und Regierungen; die DKP arbeitete ausschließlich Basis orientiert.
Gesellschaftliche Institutionen wie Gewerkschaften, Kirchen und Sozialverbände traten der Friedensbewegung bei.
Die Massenmedien standen auf der Seite der Friedensbewegung.
Lokale Friedensgruppen und Initiativen sprießten aus dem Boden.
Z.B.: IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. Die Organisation erhielt 1985 den Friedensnobelpreis für ihre sachkundige Informationsarbeit über die katastrophalen Folgen eines Nuklearkrieges.
Im Jahr 2015 sehen die Bedingungen für den Frieden in Europa ganz anders aus.
Schon 2012 muss ein kollektives Blackout des Nobelpreis-Komitees zur Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union (EU) geführt haben. Die EU ist aktive Kriegspartei. Die EU stellt außerdem ein undemokratisches Klassensystem dar, mit privilegierten EU-Kernländern und deklassierten EU-Ländern der Peripherie. Ihren Friedenswillen würde die EU beweisen, wenn sie auf die Modernisierung der Atomwaffen in Europa und auf die Option von Nukleareinsätzen grundsätzlich verzichtete, die Anschaffung von Drohnen widerriefe und Rüstungsexporte unterließe.
Dass die deutsche Regierung so unverhohlen auf militärische Macht setzt, hat genauso gesellschaftlichen Widerstand hervorgerufen wie das Bekenntnis der Bundeskanzlerin, Deutschland in eine marktkonforme Demokratie umformen zu wollen. Die Gesellschaft hat erkannt, dass, wo der Markt herrscht, der Krieg herrscht.
Demokratie aber – so der antike griechische Staatsmann Perikles – ist eine politische Ordnung, in der die Angelegenheiten im Interesse der Mehrheit entschieden werden. Krieg aber ist niemals im Interesse der Mehrheit des Volkes.
Meinungsumfragen in Deutschland ergeben seit Jahren eine 70 bis 80%-ige Kriegsablehnung. Gabriele Krone-Schmalz erwähnt in ihrem Buch „Russland verstehen“ eine Umfrage, die 2014 bei der russischen Bevölkerung zum Einsatz russischer Soldaten in der Ukraine zu ähnlichen Werten kommt.
Die Menschen in Russland, die Menschen in Deutschland – und anderswo auch – wollen den Krieg nicht!
Viele von uns haben die Worte von Gustav Heinemann bei seiner Amtseinführung als Bundespräsident im Jahr 1969 stark beeindruckt. Heinemann erklärte damals: „Nicht der Krieg ist der Ernstfall […], sondern der Friede ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben.“
In Deutschland wird „Zivilgesellschaft“ eher separatistisch verstanden, als eine Formation innerhalb einer Gesellschaft, die zwischen staatlicher, wirtschaftlicher und privater Sphäre entstanden ist. In der marktkonformen Demokratie wird die Zivilgesellschaft ganz zerrieben. Die Marginalisierung ihrer Vertreter und Organisationen lässt sich an zwei Tendenzen erkennen: 1. Im Gegensatz zu den 1980-ern ist heute friedenswissenschaftliche Expertise bei der Regierung überhaupt nicht gefragt. 2. Zivile Organisationen der Entwicklungshilfe, die Friedensdienste oder andere humanitäre Organisationen werden systematisch staatspolitischen und militärischen Zielsetzungen untergeordnet und können nur noch im Rahmen zivil-militärischer Zusammenarbeit mit finanzieller Förderung rechnen.
Gegen die Unterordnung unter das Militärische wehrt sich beispielsweise die „Plattform Zivile Konfliktbearbeitung“. Sie ist ein offenes Netzwerk in Deutschland zur Förderung der zivilen Konfliktbearbeitung. Eine konstruktive Konfliktbearbeitung und eine gewaltfreie Praxis sind Ansätze der Friedensbewegung, die sich auf alle Politikbereiche beziehen. Auf internationaler Ebene wird sie als Friedenspolitik bezeichnet. Bei Konflikten zwischen den Menschen und zwischen Gruppen kommen Mediationsverfahren zum Tragen. Und im schulischen Kontext gibt es in Deutschland keine Schule, die nicht über ein Programm zur Streitschlichtung verfügt.
In der Schule haben viele von uns die „UNESCO-Empfehlung über die Erziehung für internationale Verständigung, Zusammenarbeit und Frieden“ von 1974 zum Leitgedanken der Friedenserziehung gemacht, mit dem Ziel „Verständnis und Achtung für alle Völker, ihre Kulturen, Zivilisationen, Werte und Lebensweisen“ zu wecken.
Die UN proklamierten das Jahr 2000 zum „Internationalen Jahr für eine Kultur des Friedens“, dem eine ganze „Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit zugunsten der Kinder der Welt“ folgen sollte. Daraus wurde in Deutschland nichts Richtiges. Nicht zuletzt deswegen, weil die USA ihre Beitragszahlungen an die UN und die UNESCO verringerten oder ganz aussetzten.
Seit dem 11. September 2001 sind die USA, die Staaten der Europäischen Union (EU) und die Nato-Staaten – wie es scheint – auf ewigen Krieg eingestellt. So vergessen sie ihre eingegangenen Verpflichtungen „der Bekämpfung aller Formen des Rassismus, der Rassendiskriminierung, der Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängender Intoleranz; der Förderung des Verständnisses, der Toleranz und der Solidarität gegenüber allen Kulturen, Völkern und Kulturstufen, namentlich auch gegenüber ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten.“
Seit 25 Jahren erscheint die Zeitschrift „Wissenschaft und Frieden“ (W&F), zu deren Trägerorganisationen die Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden und andere Friedensorganisationen gehören. Wissenschaft & Frieden ist die führende interdisziplinäre Wissenschaftszeitschrift für Friedensforschung, Friedenspolitik und Friedensbewegung.
Gemessen an den Massenmedien ist der Wirkungskreis von W&F gering. Viele wünschen sich eine größere Öffentlichkeitswirkung der Friedensbewegung. Aus diesem Grund wurde vor Kurzem ein Arbeitsforum „Mediennutzung in der Friedensbewegung“ gegründet, das auch neue Impulse für einen Friedensjournalismus geben will.
Das Komitee für Grundrechte und Demokratie stellt im Zusammenhang mit den Blockupy-Protesten 2015 bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main die Frage, „wie ein Protest gegen die herrschenden Zumutungen aussehen kann, der den Ernst der Lage zum Ausdruck bringt, sich aber nicht auf die Sprache der Herrschenden einlässt, der weite Teile der Bevölkerung anspricht und nicht in Bedeutungslosigkeit versinkt. Ist es angesichts der Zumutungen herrschender Politik, angesichts der zunehmenden Armut und sozialen Spaltung in Europa, angesichts der tödlichen Abwehr von Flüchtlingen, angesichts einer Politik, die Militär zum selbstverständlichen Mittel von Politik macht, nicht eher erstaunlich, wie friedlich und bunt dieser Protest war?“
Eben deshalb erscheint es Erfolg versprechender, das Internet als ein einflussreiches Mobilisierungsinstrument für den Frieden in den Blick zu nehmen. Die Ausbreitung dieser sozialen Netzwerke wird aber gleichzeitig auch das Bedürfnis des Einzelnen nach gemeinschaftlichen Friedenserlebnissen mit körperlicher Anwesenheit vor Ort steigern. Entsprechende lokale und regionale Angebote können Schulen, Universitäten, Gewerkschaften, Friedensorganisationen, Kirchen oder Andere machen.
Es wird hoffentlich bald so weit sein, dass Edward Snowden sein Wissen und seine Erfahrungen den Friedensbewegungen in Russland, in Deutschland und anderswo frei zur Verfügung stellen kann.
Was können wir tun? Ohne eine Vision vom Frieden kommen wir in der Friedenserziehung nicht weiter. Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung spricht sogar von der revolutionären Idee der Gewaltfreiheit:
„Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“
Johan Galtung definiert Frieden als Abwesenheit von direkter, struktureller und kultureller Gewalt. Er sagt: „Für den Frieden arbeiten heißt gegen Gewalt arbeiten für die Befreiung der Menschen, für das Wohlergehen in einer Welt des Friedens mit der Natur, zwischen den Geschlechtern, Generationen und Rassen, wo die Ausgeschlossenen ohne Anwendung von Gewalt mit eingeschlossen werden und wo Klassen, Nationen und Staaten weder der direkten noch der strukturellen Gewalt dienen.“
Mit großer Sorge betrachten wir, wie deutsche Politiker und deutsche Medien das Feindbild Russland mobilisieren. Der Feindbild-Mechanismus funktioniert immer gleich. Das Eigenbild wird größenwahnsinnig und kann nichts Negatives enthalten. Das Feindbild wird paranoid und darf nichts Positives enthalten. Soziale Pathologien entstehen, die an kollektive Psychosen grenzen. So war es im Kalten Krieg, bis Kräfte in der Zivilgesellschaft depolarisierend wirkten.
In einer Art „Volksdiplomatie“ wollten wir gemeinsam etwas von unten für die Völkerverständigung, für Frieden und Gerechtigkeit beitragen. Heute wissen wir, dass die Transformation von gewalthaltigen Prozessen in friedliche großer Anstrengungen und gut durchdachter Konzepte bedarf. Welche erscheinen heute angemessen?
Gewaltloser Widerstand: Beispielsweise die Botschaften von USA und EU gewaltfrei umringen oder einen Boykott der Produkte der globalen Unternehmen, die am wenigsten sozial und ökologisch am schädlichsten sind.
Dialoge zwischen den Menschen und den Regierungen auf allen Ebenen fördern.
Eine riesige Nord-Süd-Ost-West-Friedensbewegung auf die Beine stellen, um Gerechtigkeit und Frieden voran zu bringen. Dieses Ziel verfolgt z.B. die Initiative „Frieden statt NATO – Für eine Weltfriedenskonferenz“. Sie hat Michail S. Gorbatschow gebeten, eine solche Konferenz ins Leben zu rufen.
Die massive globale Ungerechtigkeit in der Welt wird von der deutschen Friedensbewegung auch als ein moralisches Problem angesehen. Deshalb werden auf allen Ebenen integere Persönlichkeiten gesucht, die alle Formen von Gewalt zurückweisen und Mitgefühl mit den Opfern zum Ausdruck bringen können.
Wir sind Brückenbauer für die deutsch-russische Freundschaft und für den Frieden in der Welt. Wir haben einen langen Atem.
Bernhard Nolz, Lehrer i.R., Aachener Friedenspreisträger, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Geschäftsführer des Siegener Zentrums für Friedenskultur (ZFK)

Kampf gegen die Ungerechtigkeit

Bernhard Nolz
Kampf gegen die Ungerechtigkeit

Vorbemerkung
Um sich über friedenspolitische Positionen zu den derzeitigen Kriegen, zur Ukraine-Krise, zur Terrorismusbekämpfung, zur Globalisierungskrise usw. Klarheit zu verschaffen, erscheint es mir hilfreich, sich mit TRANSCEND, der Friedensphilosophie von Johan Galtung, auseinander zu setzen. Im Folgenden werden Aussagen von Johan Galtung aus den Jahren 1967 – 2002 wieder gegeben und kommentiert.

Alles geht vom Frieden mit friedlichen Mitteln aus
„Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“

„Lehrmeister“ Ost-West-Konflikt (Kalter Krieg)
Viele sehen heute in der Politik der Nato-Staaten zur Ukraine-Krise eine Rückkehr zu den Mustern des Kalten Krieges. Die Frage ist, ob mit den Strukturen und Arbeitsweisen der derzeitigen OSZE Friedensprozesse eingeleitet und verhandelt werden können.
Galtung empfiehlt als Gegenmittel zum Kalten Krieg allerdings auch eine Organisation für Dialog und Kontrolle der Durchführung, des Weiteren die Einrichtung einer Sicherheitskommission, Maßnahmen zur defensiven Verteidigung sowie eine „Volksdiplomatie“ zwischen Friedens- und Dissidentengruppen aus allen betroffenen Ländern – eine Idee, die noch niemand aufgegriffen hat.
Der Ost-West-Konflikt war ein Weltkonflikt. Die USA versuchen seit 1945 aus globalen Interessen an allen grundlegenden Bruchlinien (z.B. Japan und übriges Asien oder zwischen dem protestantisch/katholischen und orthodoxen Europa oder zwischen Sunniten und Schiiten) „Allianzsysteme“ einzurichten, um über offensive politische und militärische Kapazitäten in allen Teilen der Welt zu verfügen. US-Politiker glauben daran: Wer Eurasien beherrscht, beherrscht die Welt!
1996 prognostizierte Galtung eine gemeinsame Gegenbewegung von Russland und China. Seine damalige Therapie für alle Beteiligten, um einen erneuten (Welt-) Krieg zu verhindern: „Hört auf damit!“
Statt geopolitischer Strategien sind Strategien zur Weltsicherheit, Weltabrüstung und für neutrale Zonen genauso notwendig wie Dialoge zur Vertrauensbildung und Konflikttransformation, organisiert von den Vereinten Nationen (UN).

Wir haben es mit einem Klassenkampf zu tun und nicht mit einem Kulturkampf
„Die grundlegende Trennungslinie in diesem Konflikt ist die Klasse – von Ländern und von Menschen. Es ist nicht die Kultur. […] Wir sollten weder das Ausmaß der Solidarität in der übrigen Welt unterschätzen noch die Solidarität des Westens (dazu Japans), der Oberklasse der Welt. Wegen der Stärke dieser beiden Lager ist es von großer Bedeutung, noch stärkere Solidarität mit den Opfern in der ganzen Welt aufzubauen.“
Der Teufelskreis der Gewalt kann durchbrochen werden, wenn USA und EU die Kraft zur Versöhnung und zum Dialog finden. Die enorme Ungleichheit in der Welt muss durch ein friedliches, kooperatives Wirtschaftssystem überwunden werden. Die Unterstützung autokratischer Regime und die Waffenlieferungen müssen aufhören.
„Wenn alle Möglichkeiten zu einer Veränderung mit friedlichen Mitteln verweigert werden, dann fühlen sich einige in Versuchung, ihre Zuflucht zur Gewalt zu nehmen.“
In der Europäischen Gemeinschaft (EU) herrscht ein eben solcher Klassenkampf, siehe Deutschland – Griechenland.

Gerechtigkeit und Versöhnung schaffen Frieden
Galtung schlägt verschiedene Maßnahmen vor, um aus dem Kampf- und Vergeltungszyklus herauszukommen. Sie stehen im krassen Widerspruch zur deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik. Statt dessen schlägt Galtung vor:
Gerechtigkeit und gleichberechtigte Beziehungen aller Konfliktparteien
Schaffung einer sanktionsfreien Welt
Förderung Globalisierungs-freier Zonen und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe
Programme zur Versöhnung und zur Friedenserziehung.
Nach Johan Galtung ist die Ungerechtigkeit in der Welt ein moralisches Problem:
„Wie im Fall von Sklaverei und Kolonialismus ist die massive globale Ungerechtigkeit kein Problem der Macht, sondern ein moralische Problem. Dabei haben die Benachteiligten die Oberhand. Je stärker das so ist, umso gewaltfreier werden sie ihren Kampf führen.“
Dazu brauchen sie die Unterstützung durch eine massive humanitäre globale Friedensbewegung, in der sich überall auf der Welt globales und lokales Denken und Handeln verbinden.
Dass die politisch Verantwortlichen die gewaltfreie Kraft der Benachteiligten wahr genommen haben, erkennt man vor allem daran, dass sie sich bei ihren Treffen, z.B. G7/G8, militärisch und polizeilich abschotten und gewaltfreie Demonstrationen dagegen gewaltsam auseinandertreiben und zu kriminalisieren versuchen.
Nichts desto trotz setzt Galtung auf den Frieden von unten:
„Die Zukunft der Welt liegt stärker denn je in den Händen der einzigen Quelle der Legitimation: der Menschen in der ganzen Welt.“
Die Regierungen sind nach Galtung nahezu handlungsunfähig, weil sie den „Zorn“ (Krieg) der USA fürchten und weil sie – so müsste man hinzufügen – der „Gehirnwäsche“ US-amerikanischer Think Tanks ausgesetzt waren. Im Abhörfall der Bundeskanzlerin Merkel durch die NSA wurde durch ihre öffentliche Bloßstellung möglicherweise der letzte Widerstand gegen die US-Pläne zum „Kampf gegen Russland“ gebrochen.
Die enormen Mittel der Destruktivität und Gewalt, die die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) in Deutschland und anderswo zur Anwendung bringen, sind durch Edward Snowden offen gelegt worden. Es war abzusehen, dass Russland, das dem Whistleblower Asyl gewährt hat, durch die US-amerikanische Politik zum Feind und Hassobjekt hochstilisiert wird, das vernichtet werden muss.

Die USA und der 11. September 2001
Johan Galtung bezieht sich bei der Beschreibung der Rolle der USA auf den 11. September 2001 und stellt heraus: „Die Symbolik der Ziele (WTC und Pentagon) und der Nicht-Ziele (das Kapitol oder das Weiße Haus) sieht nach Vergeltung dafür aus, dass die USA ihre wirtschaftliche Macht gegen arme Völker und arme Länder einsetzen und ihre militärische Macht gegen wehrlose Völker. […] Wenn wir von Millionen von Opfern, nicht etwa nur von Tausenden, ausgehen, muss man erwarten, dass das eines Tages an irgendeinem Ort den Wunsch nach Vergeltung weckt.“
Die terroristischen Anschläge müssen aus Galtungs Sicht als eine Aktion gegen den Kapitalismus der USA und ihren Militarismus angesehen werden.
Galtung unterscheidet zwei Typen des Terrorismus: nicht-staatlichen Terrorismus und Staatsterrorismus.
„Der Terrorismus von unten richtet sich gegen Regierungen oder Staaten als Personen oder Institutionen und ist natürlich auf politische Veränderungen aus. […] Staatsterrorismus ist eine militärische Taktik. Er kommt überraschend und konzentriert sich auf das Töten von Zivilisten, um die Kapitulation zu erzwingen.“
Heutzutage ergänzen sich die Typen des Terrorismus gegenseitig. Sie richten sich in grausamer Weise sowohl direkt gegen die Menschen und töten sie, als auch gegen die staatliche und gesellschaftliche Infrastruktur. D.h. immer mehr Zivilisten werden direkt getötet, aber auch die indirekte Tötungsart durch Hunger, Krankheiten und Verseuchung durch Uran-haltige Munition nimmt in den Kriegsregionen ständig zu. Die indirekte Tötungsart finden wir auch in den von Monsanto beherrschten Regionen sowie in den Umgebungen von Atomkraftwerken, auch wenn sie nicht vom GAU wie in Tschernobyl oder Fukushima betroffen sind. Jedes neue Atomkraftwerk erhöht die unberechenbare Gefahr der Vernichtung. Trotzdem gibt die Regierung Merkel ihre Zustimmung zum Bau weiterer Atomkraftwerke in Europa.
Johan Galtung beschreibt Terrorismus als Geisteszustand, der von Hass geprägt ist:
„Ein terroristischer Angriff führt zu einem massiven Gegenangriff des Staats-Terrorismus, der dann seinerseits das Meer von Hass vergrößert, das Terroristen nicht nur hervorbringt, sondern auch nährt. […] Terrorismus wird als Geisteszustand gesehen. Fundamentalismus ist seine geistige Grundlage und Hass seine emotionale Quelle.
Der Terrorist ist ein Übeltäter, dessen einziges Ziel es ist, zu schädigen und zu verletzen. Gewalt ist Selbstzweck. Der Terrorismus hat darüber hinaus keine Ursache. Dem entsprechen die Taktiken des Terroristen. Er versteckt sich schwankend und lauernd im Dunkeln und wartet den rechten Augenblick ab.“
So gesehen ist die Frage, ob die Anschläge von New York auf das Konto von staatlichen oder nicht-staatlichen Terroristen gehen (möglicherweise auf das Konto beider), für die Entwicklung von Frieden und Gerechtigkeit ohne großen Belang, zumal der Staatsterrorismus der USA nicht zuletzt durch Hunderte von extra-legalen Hinrichtungen belegt ist.
Der US-Fundamentalismus fördert die weltweite Gewalt und hat drei Säulen:
1. Dualismus: Die Welt teilt sich in zwei Teile, es gibt keine Neutralen.
2. Manichäismus: Wer nicht auf der Seiten des Guten ist, ist auf der Seite des Bösen.
3. Armageddon: Das Böse weicht nur der Gewalt.
Dieser US-Fundamentalismus ist politisch simpel, aber äußerst wirksam, weil er militärisch, CIA gestützt und wirtschaftlich rücksichtslos durchgesetzt wird – unter Missachtung jeglicher Verpflichtungen gegenüber Menschenrechten und dem Völkerrecht. Dass die CDU/CSU/SPD-Bundesregierung auf diese Rechts-nihilistische Primitiv- und Gewaltpolitik der USA im Ukraine- oder im Griechenland-Konflikt einschwenken würde, war zu erwarten, weil Bundeskanzlerin Merkel so völlig losgelöst von den weltweiten Gerechtigkeitsdiskursen zu erkennen gegeben hat, dass sie ihre marktkonforme Kampf- und Unrechtspolitik durchzuziehen gewillt ist.

Hilfe für die Opfer des Terrorismus als friedenspolitisches Handeln
„Aber wir richten unser Augenmerk auf die Opfer, die Leidtragenden, die Vertriebenen, die Zerstörungen, sowohl der von Menschen geschaffenen als auch der natürlichen Umwelt, den Schaden an den sozialen Institutionen und an der Kultur, den solch ein massiver Einsatz von Gewalt zur Folge hat.“
Galtung weist darauf hin, dass die Gewaltanwendungen der USA durchaus als Strafen „von oben“ (von Gott) verstanden werden sollen. Die Mega-Gewalt der USA hat einen internationalen Klassenkampf zwischen den Ländern zur Folge, der überall als direkte, strukturelle und kulturelle Gewalt zum Vorschein kommt.
Zu den wenigen selbstkritischen Bemerkungen von US-Politikern gehört die des ehemaligen US-Verteidigungsministers Robert McNamara (1996):
„Unsere Fehleinschätzung von Freund und Feind gleichermaßen zeigt unsere tiefe Unkenntnis über Geschichte, Kultur und Politik der Menschen in dem Gebiet und über die Persönlichkeiten und Gewohnheiten ihrer Führer.“
Es sind wohl mehr Selbsttäuschungen gewesen, die beispielsweise McNamara und andere US-Politiker veranlasst haben, Befehle für Kriegsverbrechen und Strafaktionen zu geben, bei denen das Militär kurzer Hand zum Richter „ernannt“ wird, um einem ordentlichen Prozess aus dem Wege gehen zu können. Ähnlich agiert in den USA auch die Polizei, die lieber tot schießt, als etwas zur Aufklärung beizutragen.
Darüber hinaus wird durch ständig neue Gesetze, die die Bürgerrechte einschränken, die Repression gegenüber der Bevölkerung erhöht und die Demokratie ausgehöhlt.
In einer Fußnote merkt Johan Galtung dazu an:
„Es ist ein schlechtes Zeichen für die Stabilität der Demokratie und der bürgerlichen Freiheiten in den USA, wenn schon drei Bomben einen so enormen (negativen) Einfluss auf die gesamte Rechtsstruktur haben können, die so mühsam über Generationen errichtet wurde.“
Johan Galtung schließt daraus, dass die Herrschaft der Macht gewaltfrei gebrochen und die Herrschaft des Rechts wieder hergestellt werden muss. Für Galtung steht fest, dass die US- und EU-Eliten die Klassenstruktur der Staatenwelt aufrecht erhalten wollen. Er belegt mit Zahlen, dass die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung für die Herrschaft des Rechts und gegen die Herrschaft der Macht ist und sich auch für eine Friedensbewegung in Nord-Süd-Richtung einsetzt:
Galtung: „Kurz gesagt: Es gibt eine Spaltung zwischen der Mehrheit der Menschen und den Regierungen.“
Die sieht auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) so. Bei einer Umfrage (2014) sprachen sich 63 % gegen die Übernahme größerer Verantwortung bei internationalen Krisen aus und 82 % wünschten sich weniger Militäreinsätze der Bundeswehr. Steinmeier konstatierte, „es gäbe einen tiefen Graben zwischen der breiten Öffentlichkeit und der politischen Elite, den es aber zu ignorieren gelte. Politik muss sich über solche Gräben hinwegbewegen, damit sie handlungsfähig bleibt“. (junge Welt v. 21.05.2014)
Steinmeier versteht unter Handlungsfähigkeit auch nur Gewalt und Krieg und spricht davon, dass Russland sanktioniert wird, damit Putin einsieht, dass er falsch gehandelt hat.
Galtung gibt zu bedenken:
„Strafende Gewalt macht den Gestraften unfähig, aber sie beseitigt nicht die Gründe, die den Terrorismus hervorbrachten. Der Terrorismus hat kein zentrales Kommando, das kapitulieren könnte. […] Dass diese Zerstörungsmacht der USA größer ist als die jeder anderer Macht ist eine Binsenweisheit. […] Aber die Verletzbarkeit ist auch größer.“
Hinzu kommt: „Washington ist auch empfindlich gegen die verbündeten Regierungen und möchte immer Unterstützung und geschlossene Reihen. Diese Empfindlichkeit macht es verwundbar.“
„… und dabei war dieses Staatswesen [USA] seit den Wahlen im November 2000 und dem darauf folgenden juristischen Staatsstreich in demokratischer Hinsicht ohnehin schon auf dem Weg nach unten.“
So gesehen, sagt Galtung, besteht Hoffnung, dass die USA und die EU-Staaten die bestehenden Ungerechtigkeiten, z.B. in Form von wirtschaftlichen Sanktionen, die immer nur die Schwachen treffen, beenden.
„Sklaverei und Kolonialismus endeten […] mit ihrer Abschaffung.“
Jetzt muss die Ungerechtigkeit abgeschafft werden. Die massive Ungerechtigkeit in der Welt wird vertieft, wenn die starken Staaten wirtschaftliche Sanktionen verhängen. Sie „sind eine gegen die Schwachen in der Gesellschaft – Kinder, Alte, Schwache und Kranke – gerichtete Waffe.“ Gegen sie kann man sich mit der „Möglichkeit zur Selbstversorgung mit Mitteln der Befriedigung der Grundbedürfnisse im Notfall“ wehren.

Welche Therapien hält Johan Galtung für angemessen?

Gewaltloser Widerstand
Beispielsweise die Botschaften von USA, EU und Japan gewaltfrei umringen, alle Dimensionen des Klassenkonflikts aufzeigen und einen weltweiten „Boykott der Waren und Produkte der übelsten, am wenigsten sozialen und ökologisch schädlichsten globalen Unternehmen“ organisieren.

Dialoge
„Gespräche zwischen den Menschen und den Regierungen würden gefördert; dabei ginge man davon aus, dass die Menschen in den Regierungen alle Demokraten sind und sich nicht davor fürchten, mit anderen Menschen zusammenzutreffen.“
Eine riesige Nord-Süd-Friedensbewegung! Im Fall Kurdistan wird sie von der Regierung Merkel dadurch torpediert, dass sie Waffen nach Kurdistan liefert und damit die Kurden korrumpiert bzw. aufeinander hetzt.

Menschen mit Mitgefühl
Die massive globale Ungerechtigkeit ist ein moralisches Problem. Um Gerechtigkeit und Frieden voran zu bringen, werden auf allen Ebenen integere Persönlichkeiten gesucht, Menschen, die alle Formen von Gewalt zurückweisen und Mitgefühl mit den Opfern haben. Die Welt braucht viele solcher Männer und Frauen!

(Zusammengestellt im Februar/März 2015)
Grundlagen für die Zusammenstellung und Zitate aus: Johan Galtung et.al.: Neue Wege zum Frieden. Konflikte aus 45 Jahren: Diagnose, Prognose, Therapie, Minden 2003, Bund für Soziale Verteidigung

Kultur und Frieden: Dimensionen einer internationalen Friedenskultur

Bernhard Nolz
Kultur und Frieden: Dimensionen einer internationalen Friedenskultur
„Schreiben, was nicht geschieht, ist Aufgabe der Poesie.“

Mit diesem Zitat des brasilianischen Dichters Manoel de Barros beginne ich mein Statement zur Frage: Stellen Kunst und Kultur eine Alternative zu Gewalt und Krieg dar?
Für mich wird in dem Zitat das Ziel benannt, das mit der Entwicklung von Frieden verbunden ist: Die Kulturschaffenden kommunizieren darüber, was verschwiegen wird, was aber gesagt werden muss, um dem Frieden näher zu kommen.
Poesie ist ein anderes Wort für Friedenskultur. Sowohl die Kulturschaffenden als auch die Friedensbewegten richten ihre Blicke auf das, was möglich werden soll, was aber nicht passiert. Wobei in der Poesie sowieso alles möglich ist, und die Satire – laut Tucholsky – sowieso alles darf. Manchmal wird ihr allerdings mit Terrorismus ins Wort gefallen.
Poeten schreiben nicht im luftleeren Raum. Was sie schreiben, steht in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Deshalb sind Kunst und Kultur immer politisch und sie sind immer kommunikativ, weil sie Fragen aufwerfen, die sonst nicht gestellt werden.
Johan Galtungs Gewalt- und Friedenstheorie hat uns Gewalt als den Unterschied zwischen dem, was möglich ist, und dem, was tatsächlich ist, erklärt. Uns gingen die Augen auf – und auch die Herzen und wir machten uns auf, die Völkerverständigung zu praktizieren. Völkerfreundschaft ist in der Staatenpolitik der EU und der USA nicht vorgesehen, Kulturaustausch nur schmückendes Beiwerk. Zu spät haben wir bemerkt, dass die Staatenpolitik die Zivilgesellschaft nur als untergeordnete Hilfstruppe oder als Kanonenfutter gebrauchen kann. Es gilt Thatchers There is no society! Dann reicht es an Kultur, wenn die Menschen zivilisiert werden.
„Zivilisation“ bedeutet für Kant, dass sich die Menschen zwar zu einem friedfertigen Miteinander erziehen und ihren Alltag bequem und praktisch einzurichten wissen. Aber zu einem menschenwürdigen Dasein reicht der Zivilisationsbestand allein nicht aus. Hinzu kommen muss die Ausformung durch kollektives Erinnern und Handeln. Und um von Kultur sprechen zu können, muss nach Kant die „Idee der Moralität“ hinzutreten, d.h. die Menschen müssen bereit sein, ihre Handlungen bewusst auf an sich gute Zwecke einzurichten.
In Zeiten des postmoralischen Marktkonformismus erscheint der Kant’ sche kategorische Imperativ „der guten Zwecke“ vom Schleim neoliberaler Bewusstlosigkeit überdeckt.
There is no society! Wer diesen Grundsatz vertritt, sorgt auch für die Zerstörung der menschlichen Kultur, z.B. durch die Umsetzung von TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) und durch die Einführung einer Schuldenbremse.
There is no alternative! Die Ökonomie hat das Sagen. Die Ökonomie aber hat keine Moral. Die Eigentümerin der Krombacher Brauerei ist die größte Kunstmäzenin im Siegerland. Kunstvoll habe ich so den Übergang von der Ökonomie zurück zur Kultur geschafft. Schauen wir auf die Musik.
Für den britischen Musikkritiker Ben Watson ist Musik „grundsätzlich unbewusste Kunst oder besser: Bewusstseinsbildung mit Tönen statt mit Worten.“
Musik kann (nach dem Psychoanalytiker Sebastian Leikert) als Umwandlung von sexuellem Begehren in soziales Handeln verstanden werden. Dabei geht es in der Musikgestaltung nicht so sehr um die Person, die geliebt wird, sondern um die „Beziehungsmodalität“ der Personen zueinander.
Durch Musik können Gedanken und Gefühle dafür entwickelt werden, wie die unvermeidbaren Konflikte gewaltfrei gelöst werden können. „Die Musik verführt zu utopischen Vorstellungen.“ Sie ist wie die Poesie, wie die Dramaturgie, wie der Frieden. „Wir erreichen auch Momente intensiver Liebe und Verschmelzung in der Sexualität und in der Kunst.“ Problematisch ist, dass wir permanent in Liebe und Harmonie leben wollen. „Aber das gibt es nicht als Flatrate“, sagt der Psychoanalytiker und schließt daraus, dass wir „eine Kultur der Konfliktfähigkeit im politischen Raum, in persönlichen Beziehungen und in der Kunst“ benötigen. Das sind die Dimensionen einer Kultur des Friedens.
In einer Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen heißt es u.a.: „Unter einer Kultur des Friedens ist die Gesamtheit der Wertvorstellungen, Einstellungen, Traditionen, Verhaltens- und Lebensweisen zu verstehen, die auf der Achtung des Lebens, der Beendigung der Gewalt sowie der Förderung und Übung von Gewaltlosigkeit durch Erziehung, Dialog und Zusammenarbeit beruhen; […] die auf der Einhaltung der Grundsätze der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Demokratie, der Toleranz, der Solidarität, der kulturellen Vielfalt, des Dialogs und der Verständigung auf allen Gesellschaftsebenen und zwischen den Nationen beruhen und durch ein dem Frieden dienliches nationales und internationales Umfeld gefördert werden.“
Die globale neoliberale Gewaltpolitik bekämpft die Friedenskultur. Die Kunst hat die gleichen Ziele wie die Friedenskultur. Ziel der Kunst ist psychisches Wachstum des Menschen, das Erschließen neuer Möglichkeiten und das Überwinden von Stagnation. Das Ziel der Kunst sind Veränderungsprozesse zur Verbesserung des Lebens. Musik, Literatur und andere Künste erlauben es, in intensive emotionale Prozesse einzusteigen, die Potenziale für soziale Veränderungen in sich tragen.
Kunst hat die Möglichkeit, neue Fragen zu stellen und neue Konfliktfelder zu thematisieren. Sie ist aber „ohne weiteres in der Lage, destruktive Prozesse zu fördern und falsches Bewusstsein zu festigen.“ Die Kunst ist eher subversiv und nicht revolutionär. Nichts desto weniger haben Musik und Literatur die Menschen beflügelt, an revolutionären Prozessen teilzunehmen.
Für Johan Galtung ist Frieden eine revolutionäre Idee. „Dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“
Kunst „verändert das Lebensgefühl und sensibilisiert für Konflikte. …, dass die Beschäftigung mit Kunst, die Teilnahme am kulturellen Leben in aktiver und rezipierender Hinsicht einen wichtigen Teil des Menschseins aus macht“ (Leikert) und gewaltfrei vonstatten geht.
Der Kunsttheoretiker Moshe Zuckermann ist skeptisch: Je mehr die Verhältnisse „zur sozialen Kälte und Einsamkeit gerinnen, [desto mehr] steigt das drängende Bedürfnis nach neuen „herzerwärmenden“ Mythen, nach Ersatz für eine […] abhandengekommene Identität.“ Die soziale Realität „hat (mediale) Apparaturen geschaffen, die das väterlich Autoritäre in ein vermeintlich brüderlich („demokratisch“) Vergemeinschaftetes hat übergehen lassen, ohne aber das Repressive, Ausbeutende und Entfremdende dieser sozialen Realität zu überwinden. [...] Der Starkult [in der Musik] ermöglicht die psychische Überdauerung dieses Grundverhältnisses.“ In diesem Sinne wirkt auch der negative „Starkult“ der immer neuen Hitlers: Hussein, Ghadaffi, Milosevic, Bin Laden, Putin …
Michael Zander (Kulturjournalist) gibt zu bedenken: Wenn der Popstar verschwindet, verschwände der Sprecher, der „gemeinsame Interessen in Opposition zu Herrschaftsverhältnissen ausdrücken könnte. Mit ihnen fehlen ebenso wütende wie eingängige Songs über gentrifizierte Innenstädte, unbezahlte Praktika, Zwangsräumungen, Abschiebungen oder die Schrecken von Imperialismus und Krieg.“
Magnus Møller-Ziegler (dänischer Kulturjournalist) bringt es auf den Punkt: „Revolutionäre Kunst politisiert die Ästhetik … und zeigt die Beziehungen zwischen der Ästhetik und der politischen Ökonomie auf“ und ermutigt zum kollektiven Handeln. Fortschrittliche Kunst ruft zum Kampf für soziale Gerechtigkeit auf und erfüllt die zwei Kriterien Walter Benjamins für progressive Kunst: „Zuerst bedarf es einer fortschrittlichen Form, und diese füllt man mit emanzipatorischem Inhalt.“
Mit dem epischen Theater Bertolt Brechts wurde das Lessing’ sche Diktum des Mitleidens und Mitfühlens bei der Theateraufführung überwunden. Das epische Theater will die ZuschauerInnen dazu bewegen, zu Erkenntnisprozessen zu gelangen und die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Besseren zu verändern. Denn der Widerspruch von künstlerischer Darstellung und gesellschaftlicher Realität wird ja nur im Drama aufgehoben. Dafür, dass aus der Theaterpraxis eine Gesellschaftspraxis wird, müssen die ZuschauerInnen selbst sorgen.
Die Frage ist, kann es mit Hilfe von Kunst und Kultur gelingen, die PolitikerInnen in die Gesellschaft zurück zu holen, damit sie ihren Auftrag, Frieden zu schaffen, erfüllen? Oder müssen wir noch deutlicher sagen und schreiben, was nicht geschieht?

Zitierte Literatur
Manoel de Barros/Britta Morisse Pimentel: Canto do Mato. Gesang des Dickichts, Frankfurt am Main 2013, TFM -Verlag Teo Ferrer de Mesqutia.
Ben Watson: Psycho-Pop, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Subversiv nicht revolutionär. Ein Gespräch mit Sebastian Leikert, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Johan Galtung et al.: Neue Wege zum Frieden, Minden 2003, Bund für Soziale Verteidigung.
Moshe Zuckermann: Drängendes Bedürfnis nach herzerwärmenden Mythen. Zur Psychoanalyse des Starkults, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Michael Zander: „Feine Unterschiede“. Psychoanalyse sozial gespaltener Musik. Wie die Klassengesellschaft sich im Musikgeschmack offenbart, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Magnus Møller-Ziegler: „København Kalder“. Roskilde: Das größte Festival Nordeuropas als reaktionäres Massenphänomen, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.

Überarbeitete Fassung eines Vortrags bei der Strategiekonferenz 2015 der Kooperation für den Frieden am 27.02.2015 in Hannover.

PROGRAMM DES DEUTSCH-RUSSISCHEN FORUMS (9.-11.06.2015)

PROGRAMM
DES DEUTSCH-RUSSISCHEN FORUMS
„ALTE BRÜCKEN BEWAHREN, NEUE BRÜCKEN BAUEN“
AN DER STAATLICHEN UNIVERSITÄT NAMENS JAROSLAW DER WEISE
Welikij Nowgorod
vom 9. bis 11. Juni 2015

Zeit Veranstaltung Ort
8. Juni (Montag)
Ankunft der Gäste am Flughafen „Pulkowo“ St. Petersburg,
Transfer mit dem Bus nach Welikij Nowgorod,
Unterbringung im Hotel „Sadko“,
freie Zeit
9. Juni (Dienstag)
9:30-11:00

11:00-12:30 Eröffnung des Forums
Grußworte:
Prof. Dr. Viktor Weber Rektor der Staatlichen Universität Nowgorod namens Jaroslaw der Weise;
Vertreter der Gebiets- und Stadtadministration;
Dr. Heike Peitsch Generalkonsulin Deutschlands in St. Petersburg (angefragt)
Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich Präsident der Stiftung Universität Hildesheim
Dr. Michael Kleineberg Leiter von DAAD in St. Petersburg (angefragt) Dr. Christoph Ehmann Generalsekretär der Assoziation Campus Europae (angefragt)
Prof. Dr. Olga Graumann Präsidentin der internationalen Akademie für Humanisierung der Bildung (angefragt)
(ggf. Vertreter des Kuratorium der Städtepartnerschaft)

Hauptvorträge
„Neue Mission“ der Universitäten in der Zeit politischer Spannungen in der Welt
Präsident der Staatlichen Universität Nowgorod namens Jaroslav der Weise Prof. Dr. Anatolij Gawrikow

Geschichte deutsch-russischer Beziehungen und ihre Folgen für die Gegenwart und Zukunft
Professor des Instituts für Geschichte und Politologie der Staatlichen Universität Nowgorod namens Jaroslaw der Weise Boris Kowaljew

Bedingungen und Möglichkeiten einer neuen Entspannungspolitik (Platzek, ehe. Ministerpräsident von Brandenburg und Koordinator des Peterburger Dialogs angefr.) mit Aussprache Hörsaal 3, Hauptgebäude (Bolschaja Sankt Peterburgskaja Str. 41)
13:00-14:00
Mittagspause Restaurant „Parmskaja obitel´“

14:30-16:30 Inputreferat
Die Aktualität von Friedenbewegung und Friedenserziehung Berhard Nolz (Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogfen für den Frieden, PPF)
Fishbowl-Diskussion
Moderation: Prof. Dr. Aleksander Schirin, Prof. Dr. Johannes Wildt
Experten angefragt: u.a. Prof. em Dr. Dr. h.c. Ludwig Huber Bielefeld; Dr. Christoph Ehmann (Deutschland); Prof. Dr. Elke Hildebrandt (Brugg, die Schweiz), Dr. Regula Freytag (Hildesheim, Deutschland); Prof. Dr. Eugen Iwanow (Institut für Lehrerbildung, Staatliche Universität Nowgorod, Russland); Dr. Sergej Jelkin (Institut für Lehrerbildung, Staatliche Universität Nowgorod, Russland), Dr. Sergej Dewjatkin (Institut für Philosophie, Staatliche Universität Nowgorod, Russland)
16:30-17:00 Kaffeepause Cafe´ im Erdgeschoss (Bolschaja Sankt Peterburgskaja Str. 41)
17:00-18:00 Die „Reise“ durch das Buch von Michael Kowalenko „Nowgorod aus den Augen deutscher Reisender des XVII.-XIX. Jahrhunderts“ begleitet durch eine Aufführung von Nowgoroder Studierenden Hörsaal 3, Hauptgebäude (Bolschaja Sankt Peterburgskaja Str. 41)
ab 19:00 Abendessen mit dem Kulturprogramm
„Klinge kleines deutsches Lied, kling hinaus ins Weite!“ Restaurant „Parmskaja obitel´“
10. Juni (Mittwoch)
10:00-11:00 Präsentation des Buches „Von der Partnerschaft der Ideen zur Partnerschaft der realen Taten: 10 Jahre Kooperation zwischen der Stiftung Universität Hildesheim und der Staatlichen Universität Welikij Nowgorod namens Jaroslaw der Weise“

Prof. Dr. Olga Graumann, Prof. Dr. Michael Pevsner, Ekaterina Egorova Buchmuseum (Antonijew Kloster)
10:00-10:30 Zukunftswerkstatt: alte Brücken bewahren, neue Brücken aufbauen
Einführung Mitglieder des Kuratoriums Bielefeld – Welikij Nowgorod, Vertreter der Stadtadministration Welikij Nowgorod und Bielefeld Interviews mit Teilnehmenden
Moderation: Wasja Rotsel (angefragt), Olga Wasiljewa (angefragt)

Kulturzentrum namens Wladimir Soroka (Antonowo)
10:30-11:30
Pause
12:130
Welt-Cafe, Pause und Vermittlung im Plenum
Moderation: Johannes Wildt , Beatrix Wildt , Natalja Schajdorowa, Ekaterina Egorova Institut für Pädagogik, Technik und Handarbeit (Antonowo)
12:30-13:30 Mittagspause Küche des Instituts für Pädagogik, Technik und Handarbeit (Antonowo)
13:30 – 16:00 Projektgruppenarbeit zu Zukunftsoptionen
Bewertung der Vorschläge im Plenum, Auswahl b zw. Prioritätenbildung
ab 17:00 Öffentliche Podiumsdiskussion in der Stadt: deutsch-russisches Friedensgespräch (o.ä.)
Anschließend 19:00 Abendessen im russischen Stil Restaurant „Jurjewskoje podwor´je“
11. Juni (Donnerstag)
ab 8:30 Kulturhistorische Führungen in Nowgorod und Umgebung
12. Juni (Freitag)
Abreise der Gäste

Deutsch-Russisches Forum in Welikij Nowgorod – Mitreisende gesucht

Eine Gruppe Bielefelder Bürgerinnen und Bürger, die sehr besorgt ist über die seit Monaten sich abzeichnende Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen im Gefolge der politischen und militärischen Konflikte um die Krim und in der Ost-Ukraine und ebenfalls über die neuerliche Entwicklung von Feinbildern und Drohgebärden zwischen Russland und Europa, beabsichtigt, mit Unterstützung des Kuratoriums Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod, sich mit einer Reisegruppe zu beteiligen an einem friedenspolitischen Treffen in Welikij Nowgorod (Nord-West-Russland) vom
8.-12.Juni 2015 mit dem Thema:
„Russisch-Deutsches Forum: Brücken für den Frieden in Ost und West –
alte Brücken befestigen, neue Brücken bauen.“
Bei Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops sollen hier politische, kulturelle und ökonomische Themenfelder aus den derzeitige russisch-deutschen Beziehungen in russischer und deutscher Sprache präsentiert und in Plenumssitzungen und Kleingruppen erörtert werden.
Die Universität Nowgorod ist bereit, den notwendigen Organisatorischen Rahmen zu schaffen: also für die deutschen Gäste aus Bielefeld Visumbesorgungen und Hotelreserverungen vorzunehmen, Transfers vom Flughafen nach Welikij Nowgorod und zurück zu sichern, Räume und DolmetscherInnen bereitzustellen und für die Gastronomie zu sorgen. Das Forum ist dabei in keiner Weise als wissenschaftliche Tagung gedacht, sondern als ein Austausch von Menschen, die bestehende deutsch-russische Verbindungen befestigen und neue Brücken bauen wollen im direkten Kontakt auf bürgerschaftlicher Ebene.
Interessenten, die gern einen Aufenthalt in St.Petersburg anschliessen wollen, können dies mit Unterstützung von Nowgoroder Seite realisieren.
Die Kosten für Hotel und alle Nebenkosten in Nowgorod werden je Person ca.320 Euro betragen. Flüge sind von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selber zu buchen – Rossija und Lufthansa bedienen täglich die Verbindung Düsseldorf – St.Petersburg und zurück; die Preise für Hin- und Rückflug sind derzeit relativ günstig und liegen unter 250 Euro.
Nähere Informationen geben in Bielefeld :
Michael Schräder Tel:
Felix Winter Tel: 0521/ 32990632
Johannes Wildt Tel: 0521/ 883654

Kinder-Feuerwehr wenn die Erwachsenen brennen

Bernhard Nolz
Kinder-Feuerwehr wenn die Erwachsenen brennen

Ein brandaktuelles Gespräch

Feuerwehrmann: Unser Ziel ist es, das Ehrenamt in der Feuerwehr auf lange Sicht zu stärken.
Pädagoge: Muss man dazu Kinder einsetzen?
F: Kinder sollen künftig schon ab sechs Jahren in die Feuerwehr eintreten dürfen.
P: Was haben Kinder bei den gefährlichen Einsätzen der Feuerwehr zu suchen?
F: Mit zehn Jahren sind Kinder meistens schon in anderen Vereinen aktiv.
P: Ist doch gut so. Erst Volljährige können bei der Feuerwehr aktiv werden.
F: 6-jährige Feuerwehr-Kinder sollen bevorzugt werden, wenn sie sich 10 oder 15 Jahre später um einen Ausbildungsplatz oder einen Arbeitsplatz im kommunalen Dienst bewerben.
P: Eine derartige Bevorzugung verstößt gegen das Grundgesetz.
F: Wie sollen wir denn sonst an die Kinder als zukünftige Feuerwehrleute herankommen?
P: Gar nicht. Kinder sind Kinder! Jetzt frage ich mal.
P: Warum wollt ihr 6-jährige Kinder in einer Organisation haben, in der sie 12 Jahre lang nicht das tun dürfen, was die Feuerwehr zu tun hat?
F: Früh übt sich, was ein guter Feuerwehrmann werden will.
P: Welches Kind hat schon Lust, zwölf Jahre lang mit Wasserschläuchen zu spielen?
F: Die Schläuche müssen auch regelmäßig gepflegt werden.
P: Kinderarbeit?
F: Man lernt auch viel vom Zugucken.
P: Wie sollen die Kinder dabei Fantasie entwickeln?
F: Viele haben als Kind die Fantasie, Feuerwehrmann werden zu wollen. Die Fantasie wollen wir solange konservieren, bis sie dann mit 18 voll zum Einsatz kommen.
P: Werden die Kinder nicht um ihre Kindheit betrogen, wenn sie immer nur so tun als ob?
F: Fußballvereine nehmen doch auch Kinder auf. Da hat keiner was dagegen: Warum sollen wir nicht das Gleiche tun?
P: Das will ich dir sagen: Im Fußballsport können doch die Kinder schon wie die Erwachsenen aktiv in Mannschaften spielen. Sie müssen nicht warten, wie bei der Feuerwehr, bis sie 18 sind, um richtig dabei sein zu dürfen. Sie können jederzeit aus dem Fußballverein wieder austreten und werden nicht ständig an ihre vermeintliche Verantwortung erinnert, die sie als Feuerwehrkind zu tragen hätten. Diese Art der Verpflichtung grenzt an Missbrauch.

Brennende Fragen eines Pädagogen

Jetzt mal einige Fragen an die Landespolitiker_innen, die sich über die Urheberschaft der Idee auch noch streiten, schon Sechsjährige als Feuerwehrkinder heranziehen zu wollen.
1) Gibt es in der Grundschule (Einschulungsalter sechs) keinen Sachunterricht mehr, in dem die Kinder etwas über die Feuerwehr und über andere kommunale Einrichtungen der Daseinsvorsorge lernen?
2) Gibt es keine Grundschulexkursionen zu wichtigen kommunalen Einrichtungen wie der Feuerwehr mehr?
3) Gibt es keine Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr mehr, wo auch die Kinder einbezogen sind und die Feuerwehrwelt kindgemäß „erobern“ können?
4) Gibt es keine ungezwungenen Elterngespräche von Feuerwehrleuten mit ihren Kindern mehr, wovon die Kinder in der Schule erzählen können?
5) Gibt es keine familienfreundlichen Zusammenkünfte, Familienfeste oder Grillfeste der Feuerwehr-Kameradschaften mehr, an denen die Kinder der Feuerwehrleute und auch andere Kinder kindgemäß teilnehmen können und etwas über das Feuerwehrehrenamt erfahren?
Die bisherige Diskussion in der Landespolitik lässt befürchten, dass mal wieder ein fauler Kompromiss gefunden wird. Was die Kinder-Feuerwehr betrifft könnte er darauf hinauslaufen, dass man zwar die Feuerwehr für sechsjährige Kinder frei gibt, die Kommunen aber verpflichtet werden, vor jeder Feuerwache ein Kinderkarussell aufzustellen. Kindlicher Spaß und der Ernst des Lebens gehen so eine dauernde Verbindung ein! Der Schaustellerverband wird sich freuen, auch wenn der Fahrzeugbestand des Kinderkarussells auf Feuerwehrfahrzeuge, Krankenwagen, Kranwagen und Bergepanzern beschränkt ist. Wird alles darauf hinauslaufen?

Pädagogische Brandstellen

Kinder-Feuerwehren – auch Jugend-Feuerwehren – sind nichts Anderes als Placebos, Scheineinrichtungen, die Kinder und Jugendliche zum Narren halten. Zum Narren halten, weil Kinder und Jugendliche gar nicht an den eigentlichen Aufgaben der Feuerwehr, den Einsätzen, teilnehmen dürfen. Schlauchpflegedienste und Erste Hilfe Kenntnisse geben einer Kinder-Feuerwehr keinen Sinn.
Wenn Kinder – notwendigerweise – gar keine Verantwortung in der freiwilligen Feuerwehr tragen dürfen, können sie auch keine Verantwortung lernen. Dann ist es aus pädagogischer Perspektive wenig sinnvoll, dass sie sich bei der Feuerwehr aufhalten. Die kindliche Begeisterung darf nicht den eigennützigen Zielen der Erwachsenen ausgesetzt und durch gezielte Werbemaßnahmen fehlgeleitet werden.
Die Befürworter einer Kinder-Feuerwehr lassen auch völlig unberücksichtigt, dass die Kinder mit sechs Jahren Suchende und Ausprobierende sind. Die augenblickliche Begeisterung für bestimmte Tätigkeiten und Beschäftigungen, Hobbys und Idole wandeln sich, bis sie langsam in konstantere Aktivitäts-, Beteiligungs- und Entscheidungsformen übergehen – oder auch nicht.
Der angemessene Ausdruck dieser unbestimmten kindlichen Suche ist z.B. der Wunsch, den Beruf des Feuerwehrmannes ergreifen zu wollen. Den kindlichen Abenteuern und Fantasien sind keine Grenzen gesetzt; den Methoden der Nachwuchsgewinnung schon.
Es wäre ein pädagogisches Missverständnis, wenn die erwachsenen Befürworter_innen einer Kinder-Feuerwehr an solchen kindlichen Traumvorstellungen anknüpfen wollten. Langfristige Verantwortung in der Feuerwehr kann man nur als Erwachsener übernehmen.
Andererseits führt auch die Einsicht in die Notwendigkeit und den Sinn von Freiwilligen und Berufs-Feuerwehren nicht zwangsläufig zum Eintritt in die Feuerwehr, die zudem nicht so organisiert ist, wie es uns in Fernsehserien vorgegaukelt wird.

Sollen die Kinder brennen?

Melden sich bald auch andere Vereine mit Nachwuchssorgen zu Wort?
Halten Schützenvereine US-amerikanische Verhältnisse für nachahmenswert, wo Sechsjährige ihre Wunschwaffen auf dem Gabentisch finden? Oder gibt es schon deutsche Kinder-Schützen-Gruppen?
Auch bei der Kinder-Polizei könnte rechtzeitig eingeübt werden, wie Kinder-Polizist_innen den Schlagstock handhaben und Pfefferspray z.B. bei schulischen Konflikten zum Einsatz bringen können.
Das Kinder-THW könnte Jungen und Mädchen auf technische Hilfseinsätze vorbereiten und für die Technik begeistern, weil nicht alle Tierpfleger/in werden können.
Die Bundeswehr rekrutiert, solange es sie gibt, 17-jährige Kinder für den Kriegseinsatz und verstößt damit gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Sollen jetzt auch Kinder-Bataillone aufgestellt werden, in denen die 6-Jährigen schon mal den Ernstfall üben können? Es gab auch Kinder-Kreuzzüge!

Löscharbeiten

Die Schule soll ihren Bildungsauftrag wahrnehmen und den Schüler_innen zu vermitteln, dass die erwachsenen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren wichtige gesellschaftliche Aufgaben für das Gemeinwesen übernehmen.
Wenn der freiwillige Feuerwehr-Nachwuchs ausbleibt, kann die Berufsfeuerwehr die Lücken schließen, indem dort attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze angeboten werden. In Verbindung mit einer Neustrukturierung von Katastrophen- und Naturschutz als zivile Arbeitsbereiche der Daseinsvorsorge könnte eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in den Berufsfeuerwehren entstehen.

„Die Erziehung zum Frieden und zur Verantwortung fängt im Mutterbauch an“, sagt ein befreundeter Erziehungswissenschaftler.

Bernhard Nolz ist Lehrer i.R., Aachener Friedenspreisträger und Träger des Preises für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Geschäftsführer des Zentrums für Friedenskultur (ZFK) Siegen
Kölner Str. 11, 57072 Siegen
0271-20596 / 0171-8993637
nolzpopp@web.de
www.friedenspaedagoegen.de

„Vater“ der französischen Revolution

Am Sonntag, 22. Februar 2015 um 15.00 Uhr wird Jürgen Simon die Besucherinnen und Besucher des Literaturcafés am Sonntag Nachmittag in die Zeit vor der Französischen Revolution (1789) entführen. Die Lesung findet im Zentrum für Friedenskultur (ZFK), Kölner Str. 11, Siegen-Oberstadt statt.

Im Mittelpunkt steht Denis Diderot (1713 – 1784). Er war Aufklärer, Philosoph, Erfinder der Kunstkritik, „Vater“ der französischen Revolution, Magister der Sorbonne. Herausgeber der großen Enzyklopädie, dem Jahrhundertwerk der Aufklärung.

Hans Magnus Enzensberger nennt ihn in seinem Roman „Diderots Schatten“ den ersten Intellektuellen seiner Zeit. Seine Romane, Erzählungen, Dramen – und sogar die Liebesbriefe an seine Freundin Sophie Volland – gehören zur Weltliteratur.

Er widersetzte sich vielen Normen und den verkrusteten Strukturen des Absolutismus und zeigte die Schwächen von Staat und Klerus auf. Seine wichtigsten Themen: Toleranz, Menschenrechte für alle Völker, Frieden für die Welt, die Vernunft und das Streben nach Glück.

Der Eintritt ist frei. Das Literaturcafé bietet Kaffee und Kuchen und andere Getränke zu günstigen Preisen.

Infos: 0271-20596, www.friedenspaedagogen.de

„Die neuen Frauen“ im Literaturcafé am 25.01.2015

Das Buch von Barbara Beuys „Die neuen Frauen – Revolutionärinnen im Kaiserreich“ steht am Anfang der Veranstaltungsreihe „Literatur-Café am Sonntag Nachmittag“ des Jahres 2015. Claudia Bröcher stellt das Buch am Sonntag, 25. Januar 2015 um 15.00 Uhr im Zentrum für Friedenskultur (ZFK), Kölner Str. 11, Siegen-Oberstadt vor.

Die Autorin beschreibt die Geschichte der Frauenbewegung im deutschen Kaiserreich. Dort gewinnen die Frauen an Einfluss und werden allmählich zu einem wichtigen Teil des öffentlichen Lebens. Frauenvereine bringen Themen wie Sexualität und Scheidung zur Sprache. Doch mit dem Ersten Weltkrieg findet die soziale Revolution ihr vorläufiges Ende. Barbara Beuys beschreibt lebendig und anhand vieler Lebensbilder den Ausbruch der Frauen aus dem alten Geschlechtermodell.

An 11 Sonntagen stellen wir die literarischen Zeugnisse von Revolutionären und Revolutionärinnen vor“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Popp (Universität Siegen) das Literaturprogramm. „Die Veranstaltungsreihe ist den Revolutionärinnen und Revolutionären und ihrem Widerstand gewidmet. Widerstand mit der Feder und mit dem Geist gegen eine falsche Politik, gegen die Missachtung der Menschenrechte, gegen Inhumanität und gegen Krieg.“

Vorgestellt werden u.a. Denis Diderot, Stefan Heym, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Carl von Ossietzky. Mit Kaffee und Kuchen sorgt das Literaturcafé auch für das leibliche Wohl der Besucher und Besucherinnen.