Alle Beiträge von Bernhard Nolz

Aachener Friedenspreisträger, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Träger des Preises für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung, Geschäftsfüher des Zentrums für Friedenkultur (ZFK) Siegen

Kultur und Frieden: Dimensionen einer internationalen Friedenskultur

Bernhard Nolz
Kultur und Frieden: Dimensionen einer internationalen Friedenskultur
„Schreiben, was nicht geschieht, ist Aufgabe der Poesie.“

Mit diesem Zitat des brasilianischen Dichters Manoel de Barros beginne ich mein Statement zur Frage: Stellen Kunst und Kultur eine Alternative zu Gewalt und Krieg dar?
Für mich wird in dem Zitat das Ziel benannt, das mit der Entwicklung von Frieden verbunden ist: Die Kulturschaffenden kommunizieren darüber, was verschwiegen wird, was aber gesagt werden muss, um dem Frieden näher zu kommen.
Poesie ist ein anderes Wort für Friedenskultur. Sowohl die Kulturschaffenden als auch die Friedensbewegten richten ihre Blicke auf das, was möglich werden soll, was aber nicht passiert. Wobei in der Poesie sowieso alles möglich ist, und die Satire – laut Tucholsky – sowieso alles darf. Manchmal wird ihr allerdings mit Terrorismus ins Wort gefallen.
Poeten schreiben nicht im luftleeren Raum. Was sie schreiben, steht in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Deshalb sind Kunst und Kultur immer politisch und sie sind immer kommunikativ, weil sie Fragen aufwerfen, die sonst nicht gestellt werden.
Johan Galtungs Gewalt- und Friedenstheorie hat uns Gewalt als den Unterschied zwischen dem, was möglich ist, und dem, was tatsächlich ist, erklärt. Uns gingen die Augen auf – und auch die Herzen und wir machten uns auf, die Völkerverständigung zu praktizieren. Völkerfreundschaft ist in der Staatenpolitik der EU und der USA nicht vorgesehen, Kulturaustausch nur schmückendes Beiwerk. Zu spät haben wir bemerkt, dass die Staatenpolitik die Zivilgesellschaft nur als untergeordnete Hilfstruppe oder als Kanonenfutter gebrauchen kann. Es gilt Thatchers There is no society! Dann reicht es an Kultur, wenn die Menschen zivilisiert werden.
„Zivilisation“ bedeutet für Kant, dass sich die Menschen zwar zu einem friedfertigen Miteinander erziehen und ihren Alltag bequem und praktisch einzurichten wissen. Aber zu einem menschenwürdigen Dasein reicht der Zivilisationsbestand allein nicht aus. Hinzu kommen muss die Ausformung durch kollektives Erinnern und Handeln. Und um von Kultur sprechen zu können, muss nach Kant die „Idee der Moralität“ hinzutreten, d.h. die Menschen müssen bereit sein, ihre Handlungen bewusst auf an sich gute Zwecke einzurichten.
In Zeiten des postmoralischen Marktkonformismus erscheint der Kant’ sche kategorische Imperativ „der guten Zwecke“ vom Schleim neoliberaler Bewusstlosigkeit überdeckt.
There is no society! Wer diesen Grundsatz vertritt, sorgt auch für die Zerstörung der menschlichen Kultur, z.B. durch die Umsetzung von TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) und durch die Einführung einer Schuldenbremse.
There is no alternative! Die Ökonomie hat das Sagen. Die Ökonomie aber hat keine Moral. Die Eigentümerin der Krombacher Brauerei ist die größte Kunstmäzenin im Siegerland. Kunstvoll habe ich so den Übergang von der Ökonomie zurück zur Kultur geschafft. Schauen wir auf die Musik.
Für den britischen Musikkritiker Ben Watson ist Musik „grundsätzlich unbewusste Kunst oder besser: Bewusstseinsbildung mit Tönen statt mit Worten.“
Musik kann (nach dem Psychoanalytiker Sebastian Leikert) als Umwandlung von sexuellem Begehren in soziales Handeln verstanden werden. Dabei geht es in der Musikgestaltung nicht so sehr um die Person, die geliebt wird, sondern um die „Beziehungsmodalität“ der Personen zueinander.
Durch Musik können Gedanken und Gefühle dafür entwickelt werden, wie die unvermeidbaren Konflikte gewaltfrei gelöst werden können. „Die Musik verführt zu utopischen Vorstellungen.“ Sie ist wie die Poesie, wie die Dramaturgie, wie der Frieden. „Wir erreichen auch Momente intensiver Liebe und Verschmelzung in der Sexualität und in der Kunst.“ Problematisch ist, dass wir permanent in Liebe und Harmonie leben wollen. „Aber das gibt es nicht als Flatrate“, sagt der Psychoanalytiker und schließt daraus, dass wir „eine Kultur der Konfliktfähigkeit im politischen Raum, in persönlichen Beziehungen und in der Kunst“ benötigen. Das sind die Dimensionen einer Kultur des Friedens.
In einer Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen heißt es u.a.: „Unter einer Kultur des Friedens ist die Gesamtheit der Wertvorstellungen, Einstellungen, Traditionen, Verhaltens- und Lebensweisen zu verstehen, die auf der Achtung des Lebens, der Beendigung der Gewalt sowie der Förderung und Übung von Gewaltlosigkeit durch Erziehung, Dialog und Zusammenarbeit beruhen; […] die auf der Einhaltung der Grundsätze der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Demokratie, der Toleranz, der Solidarität, der kulturellen Vielfalt, des Dialogs und der Verständigung auf allen Gesellschaftsebenen und zwischen den Nationen beruhen und durch ein dem Frieden dienliches nationales und internationales Umfeld gefördert werden.“
Die globale neoliberale Gewaltpolitik bekämpft die Friedenskultur. Die Kunst hat die gleichen Ziele wie die Friedenskultur. Ziel der Kunst ist psychisches Wachstum des Menschen, das Erschließen neuer Möglichkeiten und das Überwinden von Stagnation. Das Ziel der Kunst sind Veränderungsprozesse zur Verbesserung des Lebens. Musik, Literatur und andere Künste erlauben es, in intensive emotionale Prozesse einzusteigen, die Potenziale für soziale Veränderungen in sich tragen.
Kunst hat die Möglichkeit, neue Fragen zu stellen und neue Konfliktfelder zu thematisieren. Sie ist aber „ohne weiteres in der Lage, destruktive Prozesse zu fördern und falsches Bewusstsein zu festigen.“ Die Kunst ist eher subversiv und nicht revolutionär. Nichts desto weniger haben Musik und Literatur die Menschen beflügelt, an revolutionären Prozessen teilzunehmen.
Für Johan Galtung ist Frieden eine revolutionäre Idee. „Dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“
Kunst „verändert das Lebensgefühl und sensibilisiert für Konflikte. …, dass die Beschäftigung mit Kunst, die Teilnahme am kulturellen Leben in aktiver und rezipierender Hinsicht einen wichtigen Teil des Menschseins aus macht“ (Leikert) und gewaltfrei vonstatten geht.
Der Kunsttheoretiker Moshe Zuckermann ist skeptisch: Je mehr die Verhältnisse „zur sozialen Kälte und Einsamkeit gerinnen, [desto mehr] steigt das drängende Bedürfnis nach neuen „herzerwärmenden“ Mythen, nach Ersatz für eine […] abhandengekommene Identität.“ Die soziale Realität „hat (mediale) Apparaturen geschaffen, die das väterlich Autoritäre in ein vermeintlich brüderlich („demokratisch“) Vergemeinschaftetes hat übergehen lassen, ohne aber das Repressive, Ausbeutende und Entfremdende dieser sozialen Realität zu überwinden. [...] Der Starkult [in der Musik] ermöglicht die psychische Überdauerung dieses Grundverhältnisses.“ In diesem Sinne wirkt auch der negative „Starkult“ der immer neuen Hitlers: Hussein, Ghadaffi, Milosevic, Bin Laden, Putin …
Michael Zander (Kulturjournalist) gibt zu bedenken: Wenn der Popstar verschwindet, verschwände der Sprecher, der „gemeinsame Interessen in Opposition zu Herrschaftsverhältnissen ausdrücken könnte. Mit ihnen fehlen ebenso wütende wie eingängige Songs über gentrifizierte Innenstädte, unbezahlte Praktika, Zwangsräumungen, Abschiebungen oder die Schrecken von Imperialismus und Krieg.“
Magnus Møller-Ziegler (dänischer Kulturjournalist) bringt es auf den Punkt: „Revolutionäre Kunst politisiert die Ästhetik … und zeigt die Beziehungen zwischen der Ästhetik und der politischen Ökonomie auf“ und ermutigt zum kollektiven Handeln. Fortschrittliche Kunst ruft zum Kampf für soziale Gerechtigkeit auf und erfüllt die zwei Kriterien Walter Benjamins für progressive Kunst: „Zuerst bedarf es einer fortschrittlichen Form, und diese füllt man mit emanzipatorischem Inhalt.“
Mit dem epischen Theater Bertolt Brechts wurde das Lessing’ sche Diktum des Mitleidens und Mitfühlens bei der Theateraufführung überwunden. Das epische Theater will die ZuschauerInnen dazu bewegen, zu Erkenntnisprozessen zu gelangen und die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Besseren zu verändern. Denn der Widerspruch von künstlerischer Darstellung und gesellschaftlicher Realität wird ja nur im Drama aufgehoben. Dafür, dass aus der Theaterpraxis eine Gesellschaftspraxis wird, müssen die ZuschauerInnen selbst sorgen.
Die Frage ist, kann es mit Hilfe von Kunst und Kultur gelingen, die PolitikerInnen in die Gesellschaft zurück zu holen, damit sie ihren Auftrag, Frieden zu schaffen, erfüllen? Oder müssen wir noch deutlicher sagen und schreiben, was nicht geschieht?

Zitierte Literatur
Manoel de Barros/Britta Morisse Pimentel: Canto do Mato. Gesang des Dickichts, Frankfurt am Main 2013, TFM -Verlag Teo Ferrer de Mesqutia.
Ben Watson: Psycho-Pop, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Subversiv nicht revolutionär. Ein Gespräch mit Sebastian Leikert, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Johan Galtung et al.: Neue Wege zum Frieden, Minden 2003, Bund für Soziale Verteidigung.
Moshe Zuckermann: Drängendes Bedürfnis nach herzerwärmenden Mythen. Zur Psychoanalyse des Starkults, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Michael Zander: „Feine Unterschiede“. Psychoanalyse sozial gespaltener Musik. Wie die Klassengesellschaft sich im Musikgeschmack offenbart, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.
Magnus Møller-Ziegler: „København Kalder“. Roskilde: Das größte Festival Nordeuropas als reaktionäres Massenphänomen, in: M & R, Melodie und Rhythmus, September/Oktober 2014.

Überarbeitete Fassung eines Vortrags bei der Strategiekonferenz 2015 der Kooperation für den Frieden am 27.02.2015 in Hannover.

PROGRAMM DES DEUTSCH-RUSSISCHEN FORUMS (9.-11.06.2015)

PROGRAMM
DES DEUTSCH-RUSSISCHEN FORUMS
„ALTE BRÜCKEN BEWAHREN, NEUE BRÜCKEN BAUEN“
AN DER STAATLICHEN UNIVERSITÄT NAMENS JAROSLAW DER WEISE
Welikij Nowgorod
vom 9. bis 11. Juni 2015

Zeit Veranstaltung Ort
8. Juni (Montag)
Ankunft der Gäste am Flughafen „Pulkowo“ St. Petersburg,
Transfer mit dem Bus nach Welikij Nowgorod,
Unterbringung im Hotel „Sadko“,
freie Zeit
9. Juni (Dienstag)
9:30-11:00

11:00-12:30 Eröffnung des Forums
Grußworte:
Prof. Dr. Viktor Weber Rektor der Staatlichen Universität Nowgorod namens Jaroslaw der Weise;
Vertreter der Gebiets- und Stadtadministration;
Dr. Heike Peitsch Generalkonsulin Deutschlands in St. Petersburg (angefragt)
Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich Präsident der Stiftung Universität Hildesheim
Dr. Michael Kleineberg Leiter von DAAD in St. Petersburg (angefragt) Dr. Christoph Ehmann Generalsekretär der Assoziation Campus Europae (angefragt)
Prof. Dr. Olga Graumann Präsidentin der internationalen Akademie für Humanisierung der Bildung (angefragt)
(ggf. Vertreter des Kuratorium der Städtepartnerschaft)

Hauptvorträge
„Neue Mission“ der Universitäten in der Zeit politischer Spannungen in der Welt
Präsident der Staatlichen Universität Nowgorod namens Jaroslav der Weise Prof. Dr. Anatolij Gawrikow

Geschichte deutsch-russischer Beziehungen und ihre Folgen für die Gegenwart und Zukunft
Professor des Instituts für Geschichte und Politologie der Staatlichen Universität Nowgorod namens Jaroslaw der Weise Boris Kowaljew

Bedingungen und Möglichkeiten einer neuen Entspannungspolitik (Platzek, ehe. Ministerpräsident von Brandenburg und Koordinator des Peterburger Dialogs angefr.) mit Aussprache Hörsaal 3, Hauptgebäude (Bolschaja Sankt Peterburgskaja Str. 41)
13:00-14:00
Mittagspause Restaurant „Parmskaja obitel´“

14:30-16:30 Inputreferat
Die Aktualität von Friedenbewegung und Friedenserziehung Berhard Nolz (Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogfen für den Frieden, PPF)
Fishbowl-Diskussion
Moderation: Prof. Dr. Aleksander Schirin, Prof. Dr. Johannes Wildt
Experten angefragt: u.a. Prof. em Dr. Dr. h.c. Ludwig Huber Bielefeld; Dr. Christoph Ehmann (Deutschland); Prof. Dr. Elke Hildebrandt (Brugg, die Schweiz), Dr. Regula Freytag (Hildesheim, Deutschland); Prof. Dr. Eugen Iwanow (Institut für Lehrerbildung, Staatliche Universität Nowgorod, Russland); Dr. Sergej Jelkin (Institut für Lehrerbildung, Staatliche Universität Nowgorod, Russland), Dr. Sergej Dewjatkin (Institut für Philosophie, Staatliche Universität Nowgorod, Russland)
16:30-17:00 Kaffeepause Cafe´ im Erdgeschoss (Bolschaja Sankt Peterburgskaja Str. 41)
17:00-18:00 Die „Reise“ durch das Buch von Michael Kowalenko „Nowgorod aus den Augen deutscher Reisender des XVII.-XIX. Jahrhunderts“ begleitet durch eine Aufführung von Nowgoroder Studierenden Hörsaal 3, Hauptgebäude (Bolschaja Sankt Peterburgskaja Str. 41)
ab 19:00 Abendessen mit dem Kulturprogramm
„Klinge kleines deutsches Lied, kling hinaus ins Weite!“ Restaurant „Parmskaja obitel´“
10. Juni (Mittwoch)
10:00-11:00 Präsentation des Buches „Von der Partnerschaft der Ideen zur Partnerschaft der realen Taten: 10 Jahre Kooperation zwischen der Stiftung Universität Hildesheim und der Staatlichen Universität Welikij Nowgorod namens Jaroslaw der Weise“

Prof. Dr. Olga Graumann, Prof. Dr. Michael Pevsner, Ekaterina Egorova Buchmuseum (Antonijew Kloster)
10:00-10:30 Zukunftswerkstatt: alte Brücken bewahren, neue Brücken aufbauen
Einführung Mitglieder des Kuratoriums Bielefeld – Welikij Nowgorod, Vertreter der Stadtadministration Welikij Nowgorod und Bielefeld Interviews mit Teilnehmenden
Moderation: Wasja Rotsel (angefragt), Olga Wasiljewa (angefragt)

Kulturzentrum namens Wladimir Soroka (Antonowo)
10:30-11:30
Pause
12:130
Welt-Cafe, Pause und Vermittlung im Plenum
Moderation: Johannes Wildt , Beatrix Wildt , Natalja Schajdorowa, Ekaterina Egorova Institut für Pädagogik, Technik und Handarbeit (Antonowo)
12:30-13:30 Mittagspause Küche des Instituts für Pädagogik, Technik und Handarbeit (Antonowo)
13:30 – 16:00 Projektgruppenarbeit zu Zukunftsoptionen
Bewertung der Vorschläge im Plenum, Auswahl b zw. Prioritätenbildung
ab 17:00 Öffentliche Podiumsdiskussion in der Stadt: deutsch-russisches Friedensgespräch (o.ä.)
Anschließend 19:00 Abendessen im russischen Stil Restaurant „Jurjewskoje podwor´je“
11. Juni (Donnerstag)
ab 8:30 Kulturhistorische Führungen in Nowgorod und Umgebung
12. Juni (Freitag)
Abreise der Gäste

Deutsch-Russisches Forum in Welikij Nowgorod – Mitreisende gesucht

Eine Gruppe Bielefelder Bürgerinnen und Bürger, die sehr besorgt ist über die seit Monaten sich abzeichnende Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen im Gefolge der politischen und militärischen Konflikte um die Krim und in der Ost-Ukraine und ebenfalls über die neuerliche Entwicklung von Feinbildern und Drohgebärden zwischen Russland und Europa, beabsichtigt, mit Unterstützung des Kuratoriums Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod, sich mit einer Reisegruppe zu beteiligen an einem friedenspolitischen Treffen in Welikij Nowgorod (Nord-West-Russland) vom
8.-12.Juni 2015 mit dem Thema:
„Russisch-Deutsches Forum: Brücken für den Frieden in Ost und West –
alte Brücken befestigen, neue Brücken bauen.“
Bei Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops sollen hier politische, kulturelle und ökonomische Themenfelder aus den derzeitige russisch-deutschen Beziehungen in russischer und deutscher Sprache präsentiert und in Plenumssitzungen und Kleingruppen erörtert werden.
Die Universität Nowgorod ist bereit, den notwendigen Organisatorischen Rahmen zu schaffen: also für die deutschen Gäste aus Bielefeld Visumbesorgungen und Hotelreserverungen vorzunehmen, Transfers vom Flughafen nach Welikij Nowgorod und zurück zu sichern, Räume und DolmetscherInnen bereitzustellen und für die Gastronomie zu sorgen. Das Forum ist dabei in keiner Weise als wissenschaftliche Tagung gedacht, sondern als ein Austausch von Menschen, die bestehende deutsch-russische Verbindungen befestigen und neue Brücken bauen wollen im direkten Kontakt auf bürgerschaftlicher Ebene.
Interessenten, die gern einen Aufenthalt in St.Petersburg anschliessen wollen, können dies mit Unterstützung von Nowgoroder Seite realisieren.
Die Kosten für Hotel und alle Nebenkosten in Nowgorod werden je Person ca.320 Euro betragen. Flüge sind von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selber zu buchen – Rossija und Lufthansa bedienen täglich die Verbindung Düsseldorf – St.Petersburg und zurück; die Preise für Hin- und Rückflug sind derzeit relativ günstig und liegen unter 250 Euro.
Nähere Informationen geben in Bielefeld :
Michael Schräder Tel:
Felix Winter Tel: 0521/ 32990632
Johannes Wildt Tel: 0521/ 883654

Kinder-Feuerwehr wenn die Erwachsenen brennen

Bernhard Nolz
Kinder-Feuerwehr wenn die Erwachsenen brennen

Ein brandaktuelles Gespräch

Feuerwehrmann: Unser Ziel ist es, das Ehrenamt in der Feuerwehr auf lange Sicht zu stärken.
Pädagoge: Muss man dazu Kinder einsetzen?
F: Kinder sollen künftig schon ab sechs Jahren in die Feuerwehr eintreten dürfen.
P: Was haben Kinder bei den gefährlichen Einsätzen der Feuerwehr zu suchen?
F: Mit zehn Jahren sind Kinder meistens schon in anderen Vereinen aktiv.
P: Ist doch gut so. Erst Volljährige können bei der Feuerwehr aktiv werden.
F: 6-jährige Feuerwehr-Kinder sollen bevorzugt werden, wenn sie sich 10 oder 15 Jahre später um einen Ausbildungsplatz oder einen Arbeitsplatz im kommunalen Dienst bewerben.
P: Eine derartige Bevorzugung verstößt gegen das Grundgesetz.
F: Wie sollen wir denn sonst an die Kinder als zukünftige Feuerwehrleute herankommen?
P: Gar nicht. Kinder sind Kinder! Jetzt frage ich mal.
P: Warum wollt ihr 6-jährige Kinder in einer Organisation haben, in der sie 12 Jahre lang nicht das tun dürfen, was die Feuerwehr zu tun hat?
F: Früh übt sich, was ein guter Feuerwehrmann werden will.
P: Welches Kind hat schon Lust, zwölf Jahre lang mit Wasserschläuchen zu spielen?
F: Die Schläuche müssen auch regelmäßig gepflegt werden.
P: Kinderarbeit?
F: Man lernt auch viel vom Zugucken.
P: Wie sollen die Kinder dabei Fantasie entwickeln?
F: Viele haben als Kind die Fantasie, Feuerwehrmann werden zu wollen. Die Fantasie wollen wir solange konservieren, bis sie dann mit 18 voll zum Einsatz kommen.
P: Werden die Kinder nicht um ihre Kindheit betrogen, wenn sie immer nur so tun als ob?
F: Fußballvereine nehmen doch auch Kinder auf. Da hat keiner was dagegen: Warum sollen wir nicht das Gleiche tun?
P: Das will ich dir sagen: Im Fußballsport können doch die Kinder schon wie die Erwachsenen aktiv in Mannschaften spielen. Sie müssen nicht warten, wie bei der Feuerwehr, bis sie 18 sind, um richtig dabei sein zu dürfen. Sie können jederzeit aus dem Fußballverein wieder austreten und werden nicht ständig an ihre vermeintliche Verantwortung erinnert, die sie als Feuerwehrkind zu tragen hätten. Diese Art der Verpflichtung grenzt an Missbrauch.

Brennende Fragen eines Pädagogen

Jetzt mal einige Fragen an die Landespolitiker_innen, die sich über die Urheberschaft der Idee auch noch streiten, schon Sechsjährige als Feuerwehrkinder heranziehen zu wollen.
1) Gibt es in der Grundschule (Einschulungsalter sechs) keinen Sachunterricht mehr, in dem die Kinder etwas über die Feuerwehr und über andere kommunale Einrichtungen der Daseinsvorsorge lernen?
2) Gibt es keine Grundschulexkursionen zu wichtigen kommunalen Einrichtungen wie der Feuerwehr mehr?
3) Gibt es keine Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr mehr, wo auch die Kinder einbezogen sind und die Feuerwehrwelt kindgemäß „erobern“ können?
4) Gibt es keine ungezwungenen Elterngespräche von Feuerwehrleuten mit ihren Kindern mehr, wovon die Kinder in der Schule erzählen können?
5) Gibt es keine familienfreundlichen Zusammenkünfte, Familienfeste oder Grillfeste der Feuerwehr-Kameradschaften mehr, an denen die Kinder der Feuerwehrleute und auch andere Kinder kindgemäß teilnehmen können und etwas über das Feuerwehrehrenamt erfahren?
Die bisherige Diskussion in der Landespolitik lässt befürchten, dass mal wieder ein fauler Kompromiss gefunden wird. Was die Kinder-Feuerwehr betrifft könnte er darauf hinauslaufen, dass man zwar die Feuerwehr für sechsjährige Kinder frei gibt, die Kommunen aber verpflichtet werden, vor jeder Feuerwache ein Kinderkarussell aufzustellen. Kindlicher Spaß und der Ernst des Lebens gehen so eine dauernde Verbindung ein! Der Schaustellerverband wird sich freuen, auch wenn der Fahrzeugbestand des Kinderkarussells auf Feuerwehrfahrzeuge, Krankenwagen, Kranwagen und Bergepanzern beschränkt ist. Wird alles darauf hinauslaufen?

Pädagogische Brandstellen

Kinder-Feuerwehren – auch Jugend-Feuerwehren – sind nichts Anderes als Placebos, Scheineinrichtungen, die Kinder und Jugendliche zum Narren halten. Zum Narren halten, weil Kinder und Jugendliche gar nicht an den eigentlichen Aufgaben der Feuerwehr, den Einsätzen, teilnehmen dürfen. Schlauchpflegedienste und Erste Hilfe Kenntnisse geben einer Kinder-Feuerwehr keinen Sinn.
Wenn Kinder – notwendigerweise – gar keine Verantwortung in der freiwilligen Feuerwehr tragen dürfen, können sie auch keine Verantwortung lernen. Dann ist es aus pädagogischer Perspektive wenig sinnvoll, dass sie sich bei der Feuerwehr aufhalten. Die kindliche Begeisterung darf nicht den eigennützigen Zielen der Erwachsenen ausgesetzt und durch gezielte Werbemaßnahmen fehlgeleitet werden.
Die Befürworter einer Kinder-Feuerwehr lassen auch völlig unberücksichtigt, dass die Kinder mit sechs Jahren Suchende und Ausprobierende sind. Die augenblickliche Begeisterung für bestimmte Tätigkeiten und Beschäftigungen, Hobbys und Idole wandeln sich, bis sie langsam in konstantere Aktivitäts-, Beteiligungs- und Entscheidungsformen übergehen – oder auch nicht.
Der angemessene Ausdruck dieser unbestimmten kindlichen Suche ist z.B. der Wunsch, den Beruf des Feuerwehrmannes ergreifen zu wollen. Den kindlichen Abenteuern und Fantasien sind keine Grenzen gesetzt; den Methoden der Nachwuchsgewinnung schon.
Es wäre ein pädagogisches Missverständnis, wenn die erwachsenen Befürworter_innen einer Kinder-Feuerwehr an solchen kindlichen Traumvorstellungen anknüpfen wollten. Langfristige Verantwortung in der Feuerwehr kann man nur als Erwachsener übernehmen.
Andererseits führt auch die Einsicht in die Notwendigkeit und den Sinn von Freiwilligen und Berufs-Feuerwehren nicht zwangsläufig zum Eintritt in die Feuerwehr, die zudem nicht so organisiert ist, wie es uns in Fernsehserien vorgegaukelt wird.

Sollen die Kinder brennen?

Melden sich bald auch andere Vereine mit Nachwuchssorgen zu Wort?
Halten Schützenvereine US-amerikanische Verhältnisse für nachahmenswert, wo Sechsjährige ihre Wunschwaffen auf dem Gabentisch finden? Oder gibt es schon deutsche Kinder-Schützen-Gruppen?
Auch bei der Kinder-Polizei könnte rechtzeitig eingeübt werden, wie Kinder-Polizist_innen den Schlagstock handhaben und Pfefferspray z.B. bei schulischen Konflikten zum Einsatz bringen können.
Das Kinder-THW könnte Jungen und Mädchen auf technische Hilfseinsätze vorbereiten und für die Technik begeistern, weil nicht alle Tierpfleger/in werden können.
Die Bundeswehr rekrutiert, solange es sie gibt, 17-jährige Kinder für den Kriegseinsatz und verstößt damit gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Sollen jetzt auch Kinder-Bataillone aufgestellt werden, in denen die 6-Jährigen schon mal den Ernstfall üben können? Es gab auch Kinder-Kreuzzüge!

Löscharbeiten

Die Schule soll ihren Bildungsauftrag wahrnehmen und den Schüler_innen zu vermitteln, dass die erwachsenen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren wichtige gesellschaftliche Aufgaben für das Gemeinwesen übernehmen.
Wenn der freiwillige Feuerwehr-Nachwuchs ausbleibt, kann die Berufsfeuerwehr die Lücken schließen, indem dort attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze angeboten werden. In Verbindung mit einer Neustrukturierung von Katastrophen- und Naturschutz als zivile Arbeitsbereiche der Daseinsvorsorge könnte eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in den Berufsfeuerwehren entstehen.

„Die Erziehung zum Frieden und zur Verantwortung fängt im Mutterbauch an“, sagt ein befreundeter Erziehungswissenschaftler.

Bernhard Nolz ist Lehrer i.R., Aachener Friedenspreisträger und Träger des Preises für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Geschäftsführer des Zentrums für Friedenskultur (ZFK) Siegen
Kölner Str. 11, 57072 Siegen
0271-20596 / 0171-8993637
nolzpopp@web.de
www.friedenspaedagoegen.de

„Vater“ der französischen Revolution

Am Sonntag, 22. Februar 2015 um 15.00 Uhr wird Jürgen Simon die Besucherinnen und Besucher des Literaturcafés am Sonntag Nachmittag in die Zeit vor der Französischen Revolution (1789) entführen. Die Lesung findet im Zentrum für Friedenskultur (ZFK), Kölner Str. 11, Siegen-Oberstadt statt.

Im Mittelpunkt steht Denis Diderot (1713 – 1784). Er war Aufklärer, Philosoph, Erfinder der Kunstkritik, „Vater“ der französischen Revolution, Magister der Sorbonne. Herausgeber der großen Enzyklopädie, dem Jahrhundertwerk der Aufklärung.

Hans Magnus Enzensberger nennt ihn in seinem Roman „Diderots Schatten“ den ersten Intellektuellen seiner Zeit. Seine Romane, Erzählungen, Dramen – und sogar die Liebesbriefe an seine Freundin Sophie Volland – gehören zur Weltliteratur.

Er widersetzte sich vielen Normen und den verkrusteten Strukturen des Absolutismus und zeigte die Schwächen von Staat und Klerus auf. Seine wichtigsten Themen: Toleranz, Menschenrechte für alle Völker, Frieden für die Welt, die Vernunft und das Streben nach Glück.

Der Eintritt ist frei. Das Literaturcafé bietet Kaffee und Kuchen und andere Getränke zu günstigen Preisen.

Infos: 0271-20596, www.friedenspaedagogen.de

„Die neuen Frauen“ im Literaturcafé am 25.01.2015

Das Buch von Barbara Beuys „Die neuen Frauen – Revolutionärinnen im Kaiserreich“ steht am Anfang der Veranstaltungsreihe „Literatur-Café am Sonntag Nachmittag“ des Jahres 2015. Claudia Bröcher stellt das Buch am Sonntag, 25. Januar 2015 um 15.00 Uhr im Zentrum für Friedenskultur (ZFK), Kölner Str. 11, Siegen-Oberstadt vor.

Die Autorin beschreibt die Geschichte der Frauenbewegung im deutschen Kaiserreich. Dort gewinnen die Frauen an Einfluss und werden allmählich zu einem wichtigen Teil des öffentlichen Lebens. Frauenvereine bringen Themen wie Sexualität und Scheidung zur Sprache. Doch mit dem Ersten Weltkrieg findet die soziale Revolution ihr vorläufiges Ende. Barbara Beuys beschreibt lebendig und anhand vieler Lebensbilder den Ausbruch der Frauen aus dem alten Geschlechtermodell.

An 11 Sonntagen stellen wir die literarischen Zeugnisse von Revolutionären und Revolutionärinnen vor“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Popp (Universität Siegen) das Literaturprogramm. „Die Veranstaltungsreihe ist den Revolutionärinnen und Revolutionären und ihrem Widerstand gewidmet. Widerstand mit der Feder und mit dem Geist gegen eine falsche Politik, gegen die Missachtung der Menschenrechte, gegen Inhumanität und gegen Krieg.“

Vorgestellt werden u.a. Denis Diderot, Stefan Heym, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Carl von Ossietzky. Mit Kaffee und Kuchen sorgt das Literaturcafé auch für das leibliche Wohl der Besucher und Besucherinnen.

Literarische Zeitzeugen für Frieden und Toleranz

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an den Holocaust (27. Januar) unterbreiten die Friedenspädagogen Bernhard Nolz und Wolfgang Popp für Schulklassen, Jugend- und Erwachsenengruppen, die sich mit der Geschichte des Holocaust beschäftigen wollen, ein lehrreiches Angebot.

„In unserem Buch „Leben im Zeichen von Verfolgung und Hoffnung“ (LIT-Verlag Münster 2013) stellen wir 18 jüdische Autorinnen und Autoren und ihre Texte vor. In einer Zeit, in der fast alle Zeitzeugen – wie die meisten der BuchautorInnen auch – verstorben sind, bleiben uns die schriftlichen Überlieferungen, in denen auf sehr unterschiedliche Weise die Erlebnisse in den schrecklichen Zeiten des deutschen Faschismus und des 2. Weltkrieges verarbeitet worden sind.“

Die beiden Herausgeber des Buches, Bernhard Nolz und Wolfgang Popp, bieten jetzt an, zur Vorstellung des Buches und/oder ausgewählter Autorinnen und Autoren in die Schulen und zu anderen Gruppen zu kommen. Kosten entstehen keine; eine Spende für die Friedensarbeit im Zentrum für Friedenskultur (ZFK) ist willkommen.

Bernhard Nolz, pensionierter Lehrer und Friedenspreisträger: „Wir möchten in Generationen übergreifender Weise erreichen, dass die jungen Leute zusammen mit uns Einfühlungsvermögen und Mitgefühl gegenüber den geschundenen Menschen des Holocaust entwickeln. Darüber hinaus können wir zeigen, wie die Menschen selbst in größter Not zusammenhalten und solidarisch Widerstand gegen die Unmenschlichkeit leisten. Die Möglichkeiten und Grenzen der Gewaltfreiheit werden dabei deutlich.“

Kontakt: 0271-20596 / nolzpopp@web.de

Anti-Antikriegstag in Siegen?

25.08.2014 Bernhard Nolz


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Anti-Antikriegstag in Siegen?

Veranstaltung zum Antikriegstag löst politische Macht- und Richtungskämpfe im DGB Siegen-Wittgenstein aus

DGB Siegen-Wittgenstein boykottiert seine eigene Publikation

Die Veranstaltung

Zum Antikriegstag, 1. September 2014 um 17.00 Uhr in der Siegerlandhalle, Siegerlandzimmer:

Unter dem Motto „Das Hakenkreuz ist Deutschlands Untergang“ stellt Traute Fries ihr Buch „Die Deutsche Friedensgesellschaft im Bezirk Sieg-Lahn-Dill in der Weimarer Republik“ vor.

Veranstalter ist das Zentrum für Friedenskultur (ZFK) Siegen. Der DGB-Kreisverband Siegen-Wittgenstein ist als Mitveranstalter nach fünfmonatiger Planungsphase urplötzlich ausgestiegen.

Die Verabredung

Seit Februar 2014 war die Veranstaltung zum Antikriegstag (1. September) in Siegen „in trocknen Tüchern“, d.h. sie war fest verabredet zwischen vier Gewerkschaftsmitgliedern: Traute Fries (IG Metall), Werner Leis (DGB), Bernhard Nolz (GEW) und Wolfgang Popp (GEW).

Die Veranstaltungsplanung

In einer gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Siegen-Wittgenstein und des Siegener Zentrums für Friedenskultur (ZFK) soll Traute Fries ihr Buch „Die Deutsche Friedensgesellschaft im Bezirk Sieg-Lahn-Dill in der Weimarer Republik“ am Antikriegstag 2014 vorstellen. Mitveranstalter sind die AG Siegerländer Friedensbewegung (AGSF) und die Initiative Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF).

Die Veranstaltungsidee

Prof. Dr. Wolfgang Popp, Leiter des ZFK und des Forschungs- und Lehrgebiets Friedenserziehung der Universität Siegen erläutert die Veranstaltungsidee: „Ursprünglich wollten wir den Vortrag von Traute Fries im Rahmen der ZFK-Literaturreihe „NEIN zum Krieg – für Frieden und Verständigung“ am Weltfriedenstag (21. September) durchführen. Doch dann wurde uns bewusst, dass das Buch von Traute Fries vom Förderkreis Geschichte der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften für den Kreis Siegen-Wittgenstein e.V. heraus gegeben worden ist. Da war es doch naheliegender, den 1. September, den Antikriegstag der Gewerkschaften, für den Vortrag auszuwählen. Unser Vorschlag stieß sowohl beim DGB-Kreisvorsitzenden Siegen-Wittgenstein, Werner Leis, als auch bei der Referentin auf positive Resonanz und die gemeinsame Veranstaltung war beschlossen.“

Die Überraschung

In der Zeit von Februar bis Juli wurden mehrfach Planungsdetails erörtert und Aufgabenverteilungen vorgenommen. Der DGB-Kreisverband übernahm die Erstellung des Einladungsflyers, der über die DGB- und ZFK-Mailverteiler verbreitet werden sollte. Dazu kam es nicht mehr, sondern am 22. Juli gab es dann den großen Knall: Kaum war der DGB-Kreisvorsitzende Werner Leis im Juli wegen einer ernsthaften Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert worden, ließ das IG Metall Mitglied des DGB-Kreisvorstandes Siegen-Wittgenstein die DGB-Sekretärin Sandra Grimm dem ZFK-Geschäftsführer Bernhard Nolz verkünden, dass der DGB-Kreisverband Siegen-Wittgenstein aus der gemeinsamen Veranstaltung zum Antikriegstag 2014 aussteige. Das war am 22. Juli nachmittags.

Am Vormittag des selben Tages hatte der DGB-Kreisvorsitzende die Durchführung der Veranstaltung dem ZFK noch vom Krankenbett aus bestätigen lassen.

Bernhard Nolz, Aachener Friedenspreisträger und Zivilcourage-Preisträger, erläutert die veränderte Situation: „Dieses Überrachungs-Ei, zunächst ohne jegliche Begründung, wollten wir nicht so einfach schlucken. Darauf hieß es beim DGB, dass es keinen Beschluss des DGB-Kreisvorstandes zur Durchführung der gemeinsamen Veranstaltung zum Antikriegstag gebe. Nach meiner Rückfrage wurde ergänzt, dass der DGB-Kreisverband Siegen-Wittgenstein aus formalen Gründen die Zusage des Kreisvorsitzenden nicht einhalten könne. Ich zeigte mich enttäuscht über diesen Wortbruch und war entsetzt über die unkollegiale Umgangsweise des DGB-Kreisvorstands mit seinem erkrankten Vorsitzenden. Zur Bestätigung meines Entsetzens beklagte die DGB-Sekretärin Sandra Grimm den Umstand, dass die Einzelgewerkschaften im DGB-Kreisverband Siegen-Wittgenstein die Veranstaltung zum Antikriegstag nicht mittragen würden. Aus anderen Quellen erfuhr ich dann am nächsten Tag, dass die Absage der Veranstaltung vom 1. Bevollmächtigten der IG Metall Siegen, Hartwig Durt, veranlasst worden war. Da begriff ich den Zusammenhang zwischen dem durch die Erkrankung entstandenen Machtvakuum im DGB Siegen-Wittgenstein und der im DGB bundesweit geführten Debatte über gewerkschaftliche Positionen zu Krieg und Frieden und Rüstungsproduktion und -exporten.“

Vom Machtkampf …

Zunächst wurde von DGB und IGM versucht, den Machtkampf, der zum Ende des Kooperationsprojektes geführt hatte, zu verschleiern. Das funktionierte in der Weise, dass die IGM auf die Zuständigkeit des DGB verwies, während der DGB die Blockade durch die IGM geltend machte. Außerdem wurde beim DGB erklärt, dass der erkrankte Kreisvorsitzende keine/n Stellvertreter/in hätte, die oder der für den DGB-Kreisverband Entscheidungen treffen könnte. Wohingegen der im Urlaub weilende IGM-Bevollmächtigte zwar einen ehrenamtlichen Stellvertreter hätte, der aber mit der Angelegenheit nicht vertraut sei, und dessen hauptamtliche Vertreter über keine Entscheidungskompetenz verfügen würden.

Das Hin und Her der Unzuständigkeiten hatte schlagartig ein Ende, als Bernhard Nolz und Wolfgang Popp für den nächsten Tag einen Spontanbesuch in den Räumen der Bürogemeinschaft IGM und DGB ankündigten und andeuteten, dass sie an die Öffentlichkeit gehen wollten, wenn sie auf keine kompetenten Gesprächspartner/innen treffen würden.

Eine halbe Stunde nach dieser Ankündigung meldete sich der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Siegen, Hartwig Durt, und es kam zu einem kurzen Telefongespräch zwischen ihm und Bernhard Nolz und einem Mithörer.

Hartwig Durt erklärte: Als Vertreter der größten Einzelgewerkschaft der Region hätte er die Entscheidung über die Veranstaltung zum Antikriegstag an sich gezogen. Die Zusage des DGB-Kreisvorsitzenden hätte keine Bedeutung. Es sei kein Vorstandsbeschluss herbeigeführt worden. Der Appell an gewerkschaftliche Solidarität helfe nicht weiter. Eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Friedenskultur (ZFK) würde es für die IG Metall unter keinen Umständen geben. Was für die IGM Siegen gelte, gelte auch für den DGB Siegen-Wittgenstein. Er müsse das nicht begründen. Bei der Mitgliedschaft der IGM stoße eine Kooperation mit dem ZFK auf Ablehnung. Einen Verhandlungsspielraum gebe es nicht. Das Telefongespräch war beendet.

zum Richtungskampf

Hartwig Durt hatte die Katze aus dem Sack gelassen: Es gilt die Mitglieder der Gewerkschaften vor dem Gift des Pazifismus aus dem Zentrum für Friedenskultur zu schützen. Es scheint für ihn ein Ärgernis, dass es in der Gewerkschaftssatzung heißt, die IG Metall setze sich „für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ ein.

H. Durt weiß auch, dass Bernhard Nolz sich als Friedenspädagoge im Rahmen seiner Tätigkeit am Friedensforschungsinstitut der Kieler Universität schwerpunktmäßig mit dem Thema Rüstungs- und Standortkonversion beschäftigt hat. Die IG Metall hingegen fordert, die deutschen Kernkompetenzen und die Arbeitsplätze in der Waffenproduktion zu erhalten. Als Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) unterstützt Bernhard Nolz die „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“, die sich für einen Stopp aller deutschen Rüstungsexporte einsetzt.

Das Verhältnis zwischen bewaffneter Macht und Arbeiterbewegung war historisch belastet, das ist es heute nicht mehr“, erklärte der damalige DGB-Vorsitzende Michael Sommer im Februar 2013. Viele IGM-Mitglieder stimmen der Einschätzung zu. Aber die Zahl der Gewerkschafter/innen, die dem widersprechen wird immer größer. Sie sehen in der Bundeswehr ein Instrument zur Durchsetzung deutscher Kapital- und Wirtschaftsinteressen und beurteilen die weltweiten Einsätze der Bundeswehr als Grundgesetz widrig.

Deshalb arbeiten Vertreter/innen des ZFK im „Bündnis Schule ohne Bundeswehr NRW“ mit. Auch der Landesverband NRW der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie einige GEW-Kreisverbände gehören zu den Mitgliedern des Bündnisses. Sie alle wollen erreichen, dass den Vertretern der Bundeswehr der Zutritt zu den Schule verwehrt wird, weil der Auftrag der Bundeswehr mit einer Erziehung zum Frieden nicht in Einklang zu bringen ist.

Ein Dorn im Auge dürfte für den IGM-Bevollmächtigten Hartwig Durt auch die Rede von Bernhard Nolz gewesen sein, die er auf Einladung des DGB in der Steinwache Dortmund am Antikriegstag 2009 gehalten hat. Im Folgenden ein Auszug:

Die Steinwache ist ein Mahnmal gegen die faschistische Diktatur, die aus Menschen Feinde und Untermenschen machte und der Vernichtung Preis gab. Die Steinwache ist der richtige Ort der Erinnerung an die Nazi-Barbarei und an die Ungeheuerlichkeit der staatlichen Vernichtung von Menschen. Fassungslos müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Wehrmacht in den eroberten Ländern eine Nachahmung in der US-amerikanischen und der israelischen Armee gefunden haben, die durch gezielte Tötungen Menschen vernichten. Es sind lebendige Menschen gewesen mit unveräußerlichen Menschenrechten, die auf Befehl von Politikern liquidiert wurden.

Jedes Jahr wird wieder erklärt, dass der Antikriegstag an den Beginn des 2. Weltkrieges mit dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 erinnert. Die Initiative für diesen Gedenktag ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, der erstmals am 1. September 1957 unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu Aktionen aufrief. Auf dem Bundeskongress des DGB im Jahre 1966 wurde ein Antrag angenommen, der dazu auffordert, „alles Erdenkliche zu unternehmen, damit des 1. September in würdiger Form als eines Tages des Bekenntnisses für den Frieden und gegen den Krieg gedacht wird.“ In der DDR wurde der 1. September als „Weltfriedenstag“ gefeiert.

In falsch verstandener Solidarität unterdrückt der Friedenspädagoge, der auch Gewerkschaftsmitglied ist, am 1. September die Kritik daran, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund die Friedensforderung der Arbeiterbewegung in den beiden letzten Jahrzehnten – von wenigen Ausnahmen abgesehen – ziemlich vernachlässigt hat. Manchmal scheint in Gewerkschaftskreisen vergessen, dass die Arbeiterbewegung von Anfang an, also seit über 120 Jahren, am 1. Mai – dem Tag der Arbeit – ihre Forderungen nach mehr Lohn und nach besseren Arbeitsbedingungen immer mit der Forderung nach Frieden verbunden hat.

Vor 70 Jahren entfesselten die Nationalsozialisten mit dem Angriff auf Polen den 2. Weltkrieg. 70 Jahre lang haben Pazifistinnen und Pazifisten in aller Welt diesem und allen anderen Kriegsverbrechen das „Nein zum Krieg“ entgegen gehalten. Für dieses einfache, klare „Nein zum Krieg“ gab es in all den Jahren seit dem 1. September 1939 immer wieder neue kriegerische Anlässe, die uns immer weiter von einem Frieden mit friedlichen Mitteln entfernt haben.“

Der Ausblick

Die Gewerkschafterin Traute Fries wird am 1. September 2014 um 17.00 Uhr in der Siegerlandhalle ihr von den Gewerkschaften heraus gegebenes Buch vorstellen.

Der Gewerkschafter Wolfgang Popp fasst die literarische Leistung von Traute Fries folgendermaßen zusammen:

Traute Fries liefert mit ihrem Buch eine fundamentale Geschichte der frühen und starken Friedensbewegung im Siegerland der Weimarer Republik. Sie stellt die Aktivisten in dieser Zeit vor, ihre Lebensläufe, ihre überregionalen Verbindungen, die Einbindung politischer und religiöser Organisationen in die Friedensarbeit, die Massenversammlungen, Kundgebungen und Begegnungen, die Zeitungen und Broschüren, in denen sie für den Frieden warben. Und sie stellt die Auseinandersetzungen dar, denen diese Friedensbewegung ausgeliefert war, die Kontroversen, die Proteste gegen kriegerische Entwicklungen und schließlich den Niedergang gegenüber dem wachsenden NS-Faschismus. Traute Fries füllt damit eine bisher bestehende Lücke in der bewegten Geschichte der Siegerländer Friedensbewegung.“

Von Seiten des ZFK wird damit gerechnet, dass sich viele Gewerkschafter/innen am Antikriegstag 2014 für die Geschichte der Siegerländer Friedensbewegung interessieren werden. Wenn es nach dem norwegischen Friedensforscher Johan Galtung geht, leisten sie damit einen revolutionären Beitrag:

Frieden ist eine revolutionäre Idee; dass der Frieden mit friedlichen Mitteln erreicht werden soll, definiert diese Revolution als gewaltfrei. Sie findet immer statt; unsere Aufgabe ist es, ihren Umfang und ihr Gebiet zu vergrößern. Die Aufgaben sind unermesslich; die Frage ist, ob wir ihnen gewachsen sind.“

Die Gewerkschafter/innen des DGB Siegen-Wittgenstein und der IG Metall Siegen waren der Aufgabe nicht gewachsen. Die Zeichen stehen gut, dass wir im nächsten Jahr den Antikriegstag gemeinsam besser hinkriegen.

Eine Einrichtung der Gesellschaft für Friedenserziehung e.V. • Kölner Str. 11 • 57072 Siegen

Vorstand: Prof. Dr. Wolfgang Popp • Bernhard Nolz [Aachener Friedenspreisträger] • Jan Meyer-Krügel

Tel: 0271-2382521 • eMail: info@zfk-siegen.netwww.friedenskultur.de • Steuer-Nr.: 342/5926/1115 Finanzamt Siegen

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