Kategorie-Archiv: Allgemein

Deutsch-Russisches Forum in Welikij Nowgorod – Mitreisende gesucht

Eine Gruppe Bielefelder Bürgerinnen und Bürger, die sehr besorgt ist über die seit Monaten sich abzeichnende Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen im Gefolge der politischen und militärischen Konflikte um die Krim und in der Ost-Ukraine und ebenfalls über die neuerliche Entwicklung von Feinbildern und Drohgebärden zwischen Russland und Europa, beabsichtigt, mit Unterstützung des Kuratoriums Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod, sich mit einer Reisegruppe zu beteiligen an einem friedenspolitischen Treffen in Welikij Nowgorod (Nord-West-Russland) vom
8.-12.Juni 2015 mit dem Thema:
„Russisch-Deutsches Forum: Brücken für den Frieden in Ost und West –
alte Brücken befestigen, neue Brücken bauen.“
Bei Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops sollen hier politische, kulturelle und ökonomische Themenfelder aus den derzeitige russisch-deutschen Beziehungen in russischer und deutscher Sprache präsentiert und in Plenumssitzungen und Kleingruppen erörtert werden.
Die Universität Nowgorod ist bereit, den notwendigen Organisatorischen Rahmen zu schaffen: also für die deutschen Gäste aus Bielefeld Visumbesorgungen und Hotelreserverungen vorzunehmen, Transfers vom Flughafen nach Welikij Nowgorod und zurück zu sichern, Räume und DolmetscherInnen bereitzustellen und für die Gastronomie zu sorgen. Das Forum ist dabei in keiner Weise als wissenschaftliche Tagung gedacht, sondern als ein Austausch von Menschen, die bestehende deutsch-russische Verbindungen befestigen und neue Brücken bauen wollen im direkten Kontakt auf bürgerschaftlicher Ebene.
Interessenten, die gern einen Aufenthalt in St.Petersburg anschliessen wollen, können dies mit Unterstützung von Nowgoroder Seite realisieren.
Die Kosten für Hotel und alle Nebenkosten in Nowgorod werden je Person ca.320 Euro betragen. Flüge sind von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selber zu buchen – Rossija und Lufthansa bedienen täglich die Verbindung Düsseldorf – St.Petersburg und zurück; die Preise für Hin- und Rückflug sind derzeit relativ günstig und liegen unter 250 Euro.
Nähere Informationen geben in Bielefeld :
Michael Schräder Tel:
Felix Winter Tel: 0521/ 32990632
Johannes Wildt Tel: 0521/ 883654

Kinder-Feuerwehr wenn die Erwachsenen brennen

Bernhard Nolz
Kinder-Feuerwehr wenn die Erwachsenen brennen

Ein brandaktuelles Gespräch

Feuerwehrmann: Unser Ziel ist es, das Ehrenamt in der Feuerwehr auf lange Sicht zu stärken.
Pädagoge: Muss man dazu Kinder einsetzen?
F: Kinder sollen künftig schon ab sechs Jahren in die Feuerwehr eintreten dürfen.
P: Was haben Kinder bei den gefährlichen Einsätzen der Feuerwehr zu suchen?
F: Mit zehn Jahren sind Kinder meistens schon in anderen Vereinen aktiv.
P: Ist doch gut so. Erst Volljährige können bei der Feuerwehr aktiv werden.
F: 6-jährige Feuerwehr-Kinder sollen bevorzugt werden, wenn sie sich 10 oder 15 Jahre später um einen Ausbildungsplatz oder einen Arbeitsplatz im kommunalen Dienst bewerben.
P: Eine derartige Bevorzugung verstößt gegen das Grundgesetz.
F: Wie sollen wir denn sonst an die Kinder als zukünftige Feuerwehrleute herankommen?
P: Gar nicht. Kinder sind Kinder! Jetzt frage ich mal.
P: Warum wollt ihr 6-jährige Kinder in einer Organisation haben, in der sie 12 Jahre lang nicht das tun dürfen, was die Feuerwehr zu tun hat?
F: Früh übt sich, was ein guter Feuerwehrmann werden will.
P: Welches Kind hat schon Lust, zwölf Jahre lang mit Wasserschläuchen zu spielen?
F: Die Schläuche müssen auch regelmäßig gepflegt werden.
P: Kinderarbeit?
F: Man lernt auch viel vom Zugucken.
P: Wie sollen die Kinder dabei Fantasie entwickeln?
F: Viele haben als Kind die Fantasie, Feuerwehrmann werden zu wollen. Die Fantasie wollen wir solange konservieren, bis sie dann mit 18 voll zum Einsatz kommen.
P: Werden die Kinder nicht um ihre Kindheit betrogen, wenn sie immer nur so tun als ob?
F: Fußballvereine nehmen doch auch Kinder auf. Da hat keiner was dagegen: Warum sollen wir nicht das Gleiche tun?
P: Das will ich dir sagen: Im Fußballsport können doch die Kinder schon wie die Erwachsenen aktiv in Mannschaften spielen. Sie müssen nicht warten, wie bei der Feuerwehr, bis sie 18 sind, um richtig dabei sein zu dürfen. Sie können jederzeit aus dem Fußballverein wieder austreten und werden nicht ständig an ihre vermeintliche Verantwortung erinnert, die sie als Feuerwehrkind zu tragen hätten. Diese Art der Verpflichtung grenzt an Missbrauch.

Brennende Fragen eines Pädagogen

Jetzt mal einige Fragen an die Landespolitiker_innen, die sich über die Urheberschaft der Idee auch noch streiten, schon Sechsjährige als Feuerwehrkinder heranziehen zu wollen.
1) Gibt es in der Grundschule (Einschulungsalter sechs) keinen Sachunterricht mehr, in dem die Kinder etwas über die Feuerwehr und über andere kommunale Einrichtungen der Daseinsvorsorge lernen?
2) Gibt es keine Grundschulexkursionen zu wichtigen kommunalen Einrichtungen wie der Feuerwehr mehr?
3) Gibt es keine Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr mehr, wo auch die Kinder einbezogen sind und die Feuerwehrwelt kindgemäß „erobern“ können?
4) Gibt es keine ungezwungenen Elterngespräche von Feuerwehrleuten mit ihren Kindern mehr, wovon die Kinder in der Schule erzählen können?
5) Gibt es keine familienfreundlichen Zusammenkünfte, Familienfeste oder Grillfeste der Feuerwehr-Kameradschaften mehr, an denen die Kinder der Feuerwehrleute und auch andere Kinder kindgemäß teilnehmen können und etwas über das Feuerwehrehrenamt erfahren?
Die bisherige Diskussion in der Landespolitik lässt befürchten, dass mal wieder ein fauler Kompromiss gefunden wird. Was die Kinder-Feuerwehr betrifft könnte er darauf hinauslaufen, dass man zwar die Feuerwehr für sechsjährige Kinder frei gibt, die Kommunen aber verpflichtet werden, vor jeder Feuerwache ein Kinderkarussell aufzustellen. Kindlicher Spaß und der Ernst des Lebens gehen so eine dauernde Verbindung ein! Der Schaustellerverband wird sich freuen, auch wenn der Fahrzeugbestand des Kinderkarussells auf Feuerwehrfahrzeuge, Krankenwagen, Kranwagen und Bergepanzern beschränkt ist. Wird alles darauf hinauslaufen?

Pädagogische Brandstellen

Kinder-Feuerwehren – auch Jugend-Feuerwehren – sind nichts Anderes als Placebos, Scheineinrichtungen, die Kinder und Jugendliche zum Narren halten. Zum Narren halten, weil Kinder und Jugendliche gar nicht an den eigentlichen Aufgaben der Feuerwehr, den Einsätzen, teilnehmen dürfen. Schlauchpflegedienste und Erste Hilfe Kenntnisse geben einer Kinder-Feuerwehr keinen Sinn.
Wenn Kinder – notwendigerweise – gar keine Verantwortung in der freiwilligen Feuerwehr tragen dürfen, können sie auch keine Verantwortung lernen. Dann ist es aus pädagogischer Perspektive wenig sinnvoll, dass sie sich bei der Feuerwehr aufhalten. Die kindliche Begeisterung darf nicht den eigennützigen Zielen der Erwachsenen ausgesetzt und durch gezielte Werbemaßnahmen fehlgeleitet werden.
Die Befürworter einer Kinder-Feuerwehr lassen auch völlig unberücksichtigt, dass die Kinder mit sechs Jahren Suchende und Ausprobierende sind. Die augenblickliche Begeisterung für bestimmte Tätigkeiten und Beschäftigungen, Hobbys und Idole wandeln sich, bis sie langsam in konstantere Aktivitäts-, Beteiligungs- und Entscheidungsformen übergehen – oder auch nicht.
Der angemessene Ausdruck dieser unbestimmten kindlichen Suche ist z.B. der Wunsch, den Beruf des Feuerwehrmannes ergreifen zu wollen. Den kindlichen Abenteuern und Fantasien sind keine Grenzen gesetzt; den Methoden der Nachwuchsgewinnung schon.
Es wäre ein pädagogisches Missverständnis, wenn die erwachsenen Befürworter_innen einer Kinder-Feuerwehr an solchen kindlichen Traumvorstellungen anknüpfen wollten. Langfristige Verantwortung in der Feuerwehr kann man nur als Erwachsener übernehmen.
Andererseits führt auch die Einsicht in die Notwendigkeit und den Sinn von Freiwilligen und Berufs-Feuerwehren nicht zwangsläufig zum Eintritt in die Feuerwehr, die zudem nicht so organisiert ist, wie es uns in Fernsehserien vorgegaukelt wird.

Sollen die Kinder brennen?

Melden sich bald auch andere Vereine mit Nachwuchssorgen zu Wort?
Halten Schützenvereine US-amerikanische Verhältnisse für nachahmenswert, wo Sechsjährige ihre Wunschwaffen auf dem Gabentisch finden? Oder gibt es schon deutsche Kinder-Schützen-Gruppen?
Auch bei der Kinder-Polizei könnte rechtzeitig eingeübt werden, wie Kinder-Polizist_innen den Schlagstock handhaben und Pfefferspray z.B. bei schulischen Konflikten zum Einsatz bringen können.
Das Kinder-THW könnte Jungen und Mädchen auf technische Hilfseinsätze vorbereiten und für die Technik begeistern, weil nicht alle Tierpfleger/in werden können.
Die Bundeswehr rekrutiert, solange es sie gibt, 17-jährige Kinder für den Kriegseinsatz und verstößt damit gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Sollen jetzt auch Kinder-Bataillone aufgestellt werden, in denen die 6-Jährigen schon mal den Ernstfall üben können? Es gab auch Kinder-Kreuzzüge!

Löscharbeiten

Die Schule soll ihren Bildungsauftrag wahrnehmen und den Schüler_innen zu vermitteln, dass die erwachsenen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren wichtige gesellschaftliche Aufgaben für das Gemeinwesen übernehmen.
Wenn der freiwillige Feuerwehr-Nachwuchs ausbleibt, kann die Berufsfeuerwehr die Lücken schließen, indem dort attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze angeboten werden. In Verbindung mit einer Neustrukturierung von Katastrophen- und Naturschutz als zivile Arbeitsbereiche der Daseinsvorsorge könnte eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in den Berufsfeuerwehren entstehen.

„Die Erziehung zum Frieden und zur Verantwortung fängt im Mutterbauch an“, sagt ein befreundeter Erziehungswissenschaftler.

Bernhard Nolz ist Lehrer i.R., Aachener Friedenspreisträger und Träger des Preises für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung, Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF), Geschäftsführer des Zentrums für Friedenskultur (ZFK) Siegen
Kölner Str. 11, 57072 Siegen
0271-20596 / 0171-8993637
nolzpopp@web.de
www.friedenspaedagoegen.de

Literarische Zeitzeugen für Frieden und Toleranz

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an den Holocaust (27. Januar) unterbreiten die Friedenspädagogen Bernhard Nolz und Wolfgang Popp für Schulklassen, Jugend- und Erwachsenengruppen, die sich mit der Geschichte des Holocaust beschäftigen wollen, ein lehrreiches Angebot.

„In unserem Buch „Leben im Zeichen von Verfolgung und Hoffnung“ (LIT-Verlag Münster 2013) stellen wir 18 jüdische Autorinnen und Autoren und ihre Texte vor. In einer Zeit, in der fast alle Zeitzeugen – wie die meisten der BuchautorInnen auch – verstorben sind, bleiben uns die schriftlichen Überlieferungen, in denen auf sehr unterschiedliche Weise die Erlebnisse in den schrecklichen Zeiten des deutschen Faschismus und des 2. Weltkrieges verarbeitet worden sind.“

Die beiden Herausgeber des Buches, Bernhard Nolz und Wolfgang Popp, bieten jetzt an, zur Vorstellung des Buches und/oder ausgewählter Autorinnen und Autoren in die Schulen und zu anderen Gruppen zu kommen. Kosten entstehen keine; eine Spende für die Friedensarbeit im Zentrum für Friedenskultur (ZFK) ist willkommen.

Bernhard Nolz, pensionierter Lehrer und Friedenspreisträger: „Wir möchten in Generationen übergreifender Weise erreichen, dass die jungen Leute zusammen mit uns Einfühlungsvermögen und Mitgefühl gegenüber den geschundenen Menschen des Holocaust entwickeln. Darüber hinaus können wir zeigen, wie die Menschen selbst in größter Not zusammenhalten und solidarisch Widerstand gegen die Unmenschlichkeit leisten. Die Möglichkeiten und Grenzen der Gewaltfreiheit werden dabei deutlich.“

Kontakt: 0271-20596 / nolzpopp@web.de